Beim Nachbarn steht der Schrank offen

Das Auslaufmodell «Antideutsch» kämpft nicht bloss mit der Verabschiedung seiner Teilnehmer, sondern auch mit dem Verschwinden des ohnehin kümmerlichen Restverstandes seiner Pfaffen, Bürger und Patienten. So kann man die Kunden und Kundenberater der politischen Regression ruhig ihren Selbstinszenierungen und Delirien überlassen. Ebenso belustigend ist allerdings, dass noch im Niedergang dieser Peinlichkeit regelmässig Kritiker auftauchen, die noch einen Zacken blöder sind als ihr Gegenstand. So geschehen kürzlich in meinem Block. Ein neuer Nachbar ist eingezogen. Und dieser Nachbar weiss allerhand über die Welt im Allgemeinen und die Antideutschen im Besonderen.


Das Skript zum Blogbeitrag meines Nachbarn?

Die Antideutschen seien nicht antifaschistisch, weil sie nicht gegen Atomkraftwerke und andere Umwelt-Kaputt-Sachen seien. Dies lasse sich gleich zweifach belegen: Einerseits weil die Nazis auch nichts für Ökologie übrig hätten und zudem wolle man mit dem Vorwurf des völkischen an die Ökobewegung die deutsche Nation nach vorne bringen. Dass gerade ein grossteil der bescheuerten Urteile der Antideutschen aus dem konsequenten Blick durch die antifaschistische Lupe und dem Beharren auf der falschen Logik des Antifaschismus abgeleitet werden kann, das kommt dem Nachbarn nicht in den Sinn. Dass gerade die moderne Volksfront, die gegen die «Islamofaschisten» mobilisiert und noch Beckstein mit ins Boot holen will, sich aus eben dieser Logik ergibt, das will er wohl nicht hören. Ebensowenig will er etwas über Logik oder Tatsachen hören. Und so schliesst er messerscharf, aus dem was seiner Phantasie entspringt: «Es werden klassische Nazi-Stereotypen des strukturellen Antisemitismus bemüht, um sämtlichen AntikapitalistInnen Antisemitismus vorwerfen zu können. Der Sinn ist die Förderung des Antisemitismus im deutschen Sprachraum. Denn wer sagt, Antikapitalismus sei antisemitisch, sagt auch, dass Kapitalismus jüdisch sei. Die Antideutschen erweisen sich hierbei als die eigentlichen Antisemiten.» An dieser Stelle war ich mir dann nicht mehr sicher, ob mein Nachbar ein Jugendlicher, ein dadaistischer Dichter oder aber ein Komödiant ist. Wie auch immer: Schon die blosse Faktenverkennung verbietet eigentlich jede ernsthafte Auseinandersetzung. Im Weiteren geht’s dann auch darum, dass die Antideutschen den Linken vorwerfen für den Faschismus und den Holocaust verantwortlich zu sein. Dass sie blosses Konstrukt von Nachrichtendiensten sind. Dass die Juden ihre Märtyrer sind. Und dass der «Hitler-Stalin-Pakt» und damit natürlich auch das Zusatzprotokoll bloss ein taktisches Mittel Stalins zur Zeitgewinnung war.

Und so sollte man dann auch nicht weiter sich mit dem Blog beschäftigen, wäre er eben nicht das «grösste historische Ereignis», ganz im Gegensatz zum Fall der Berliner Mauer.


46 Antworten auf “Beim Nachbarn steht der Schrank offen”

  1. 1 yahya 18. November 2008 um 17:04 Uhr

    Denn wer sagt, Antikapitalismus sei antisemitisch, sagt auch, dass Kapitalismus jüdisch sei.

    Der Satz ist doch nichts mehr als elementare Logik: Wenn A=B und B=C dann ist A=C.

    Verstehe nicht, was daran komödiantisch oder dadaistisch sein soll.

  2. 2 Entdinglichung 18. November 2008 um 19:12 Uhr

    warum Kurt Schwitters in die ganze Sache mit hineinziehen?

  3. 3 scheckkartenpunk 18. November 2008 um 20:11 Uhr

    schwitters ziehst du mit rein. der ist nicht dada sondern merz.

  4. 4 Klaus Last 18. November 2008 um 21:34 Uhr

    Es ist natürlich schlimm, dass ich eine ehrenhafte Kunsströmung mit in die Sache «hineingezogen» habe. Dafür möchte ich mich in aller Form entschuldigen. Scheckkarte hat recht. Yahyah auch, in sich ist das logisch, aber natürlich Blödsinn. Zudem ist das bloss eine Sequenz aus einer ganzen Reihe von Ableitungen und Behauptungen.

  5. 5 w 18. November 2008 um 22:11 Uhr

    >>“Denn wer sagt, Antikapitalismus sei antisemitisch, sagt auch, dass Kapitalismus jüdisch sei.“

    Der Satz ist doch nichts mehr als elementare Logik: Wenn A=B und B=C dann ist A=C.

  6. 6 yahya 18. November 2008 um 22:12 Uhr

    Yahyah auch, in sich ist das logisch, aber natürlich Blödsinn.

    Warum ist das „natürlich“ Blödsinn?

    Zudem ist das bloss eine Sequenz aus einer ganzen Reihe von Ableitungen und Behauptungen.

    … aber nicht irgendeine sondern eine für den ganzen Diskurs zentrale.

  7. 7 Klaus Last 18. November 2008 um 23:28 Uhr

    Der Satz ist Blödsinn, weil die Prämisse Antikapitalismus = Antisemitismus zum Himmel schreit. Ich wüsste allerdings nicht, warum der für «den ganzen Diskurs zentral» sein soll. Es mag ein paar wenige vollends spinnerte Freunde der freudlosen Gesellschaft geben, die sowas behaupten. Aber nenn mir doch mal einen halbwegs in der antideutschen Anstalt geachteten «Theoretiker», der so einen Blödsinn erzählt.

  8. 8 w 18. November 2008 um 23:55 Uhr

    „Der Satz ist doch nichts mehr als elementare Logik: Wenn A=B und B=C dann ist A=C.“

    mein kommentar oben ist leider nicht angekommen, soweit ich sehe. nochmal kurz: logisch ist das gar nicht, denn b=c ist eine falsche setzung, denn es gibt eine differenz zwischen einer sache, die von antisemiten für jüdisch gehalten (!) wird, und einer jüdischen sache. dass a=c ist, behaupten antisemiten, antideutsche (bzw nicht komplett verdummte generell) würden auf b c und daher auch a c insistieren.

  9. 9 yahya 19. November 2008 um 0:31 Uhr

    mein kommentar oben ist leider nicht angekommen, soweit ich sehe. nochmal kurz: logisch ist das gar nicht, denn b=c ist eine falsche setzung, denn es gibt eine differenz zwischen einer sache, die von antisemiten für jüdisch gehalten (!) wird, und einer jüdischen sache.

    Diese Unterscheidung scheint jedoch bei Bahamas und co. immer weniger gemacht zu werden. Aus welcher Ecke ist penetrant-permanent die Rede vom „Glücksversprechen“ des Kapitalismus die zu hören? Wer ist es, der massenhaftes Saufen von Rülpsi-Cola und Burger fressen bei McDreck zum Gipfel der menschlichen Entfaltung erklärt?

    Ich weiß nicht wann es war, aber vor wenigen Jahren gab es offenbar ein Zerwürfnis zwischen Bahamas und den Antideutschen Kommunisten Berlin (?!?), wo es meiner Erinnerung nach ungefähr um folgendes ging: Die Adk meinten, man solle ja trotz allem immer noch irgendwie gegen den Kapitalismus sein, und irgendwie wolle man ja auch das System verändern, und genau das wurde von Bahamas brüsk zurückgewiesen, eben mit dem Verweis auf den ach so humanen Kapitalismus, der ja bekanntlich so viel besser sei, als das Taliban-Afghanistan (als ob das irgendwie außerhalb des kapitalistischen Weltsystems läge und dessen Elend ein von unserem Wohlstand gänzlich getrenntes Ding wäre). Und deshalb solle man sich halt von allem verändern-wollen verabschieden, weil das wäre halt antisemitsch, strukturell oder auch nicht.

    Prinzipiell sehe ich folgende Schiene: Die Zurückweisung eine dumpfen Antikapitalismus und eine an sich ja sinnvolle Aufdeckung möglicher verdeckter antisemitischer Stereotypen wird immer mehr ersetzt durch die Affirmation genau jener Eigenschaften, die der ideologische Gegner dem Kapitalismus zuschreibt. Kurz gesagt: Wenn die Gegner den Kapitalismus auch scheiße finden, dann kann er nur gut sein. Sicher ist das ganze allenfalls nur noch vulgärmarxistisch fundiert bzw. alle Artikel, Aufsätze etc. die solches rechtfertigen, sind nur noch intellektuelle Masturbation, aber diese ist eben nicht ohne Einfluss geblieben.

  10. 10 narodnik 19. November 2008 um 0:58 Uhr

    Das antideutsche Gehabe ist doch eine postmodern heruntergekommene Modeideologie von Leuten die weder einen Blick für die Realitäten einer Klassengesellschaft noch für die wirklichen Zusammenhänge von Antisemitismus, politischer Islam, Nahostkonflikt usw. haben. Ich durfte letztens erst wieder mit nem Studenten der Religionswissenschaft (!) sprechen der mir weißmachen wollte dass der Islamismus unmittelbar aus dem Koran ableitbar sei…

    Es nützt nicht allzuviel im Internet über die antideutschen Verzerrungen zu schreiben. Es kommt dann in der Tat darauf an, vor Ort, an der Basis, dieses Ideologem radikal zu kritisieren und anti-emanzipatorische Positionen zu verunmöglichen. Primat der Praxis und so ;-)

  11. 11 scheckkartenpunk 19. November 2008 um 1:25 Uhr

    klar – und bestimmt gelingt dir das mit so nem blödsinn wie von dem blog.

  12. 12 Klaus Last 19. November 2008 um 2:00 Uhr

    yahya:
    Ich beharre lediglich auf eine gewisse Genauigkeit bei der Beurteilung von politischen Positionen und seien sie noch so abwegig. Macht man das nicht und schreibt sich – wie der kritisierte Blog – einfach von der Seele, was man sich grad so zusammenreimt, dann macht man sich nicht bloss angreifbar, sondern auch die Kritik an der betreffenden Position gewissermassen lächerlich. Keineswegs will ich den uraffirmativen Charakter von Wertmüllers Verbalinjurien gegen «die Linke» oder sein Eintreten für die «beste aller Welten» verteidigen oder auch nur relativieren. Sie sind nur noch lächerlich und unter aller Kritik. Ich würde also deinem letzten Abschnitt gar nicht widersprechen wollen, aber zu behaupten DIE Antideutschen wären die eigentlichen Antisemiten und eigentlich ohnehin bloss ein Konstrukt der Geheimdienste ist bloss idiotisch.

    Ich habe übrigens damals die Diskussion ADK / Bahamas (und im Anschluss) Bruhn / Baum dokumentiert. Sie drehte sich aber me. weniger um Kapitalismuskritik im Allgemeinen als um Klassenkampf:
    http://kritik.myblog.de/kritik/page/33645/-Kampf-der-Klassen-

    McDonalds/McDreck halte ich übrigens für eine reine Geschmacksfrage.

  13. 13 yahya 19. November 2008 um 9:51 Uhr

    McDonalds/McDreck halte ich übrigens für eine reine Geschmacksfrage.

    Tatsächlich? Ein transnationaler Konzern, der seit Jahrzehnten dafür bekannt ist, weltweit Menschen und Natur auszubeuten (Stichworte: Arbeitsbedingungen, Regenwaldzerstörung für Rinderfarmen, gesundheitliche Folgen von McDreck-Ernährung uvm).

    Selbst wenn ich auch bisweilen gerne Junk Food konsumiere – diese elementaren Zusammenhänge sollte man wirklich nicht vergessen.

  14. 14 Klaus Last 19. November 2008 um 15:39 Uhr

    Die Würstchenbude ums Eck ist auch seit ihrem Bestehen dafür bekannt, dass sie ihren Angestellten einen miserablen Lohn bezahlt, dass sie ihre Verpackungen aus Holz aus zwielichtigen Quellen herstellen lässt und dass ihre Würstchen enorm kolesterinhaltig sind.

  15. 15 yahya 19. November 2008 um 18:26 Uhr

    Die Würstchenbude ums Eck ist auch seit ihrem Bestehen dafür bekannt, dass sie ihren Angestellten einen miserablen Lohn bezahlt, dass sie ihre Verpackungen aus Holz aus zwielichtigen Quellen herstellen lässt und dass ihre Würstchen enorm kolesterinhaltig sind.

    Hoffe mal schwer, dass Du lediglich die Ironietags vergessen hast.

    Wenn man Dir wirklich den Unterschied zwischen einem transnationalen Konzern, der für sich schon eine perfekte Zerstörungs- und Ausbeutungsmaschine darstellt, die für den Umstand, dass es auf dem Planeten Erde über 900 Millionen Hungernde gibt, eine messbare Verantwortung trägt und einer Würstchenbude, die – je nach Entscheidung der Betreiber – mehr oder weniger Anteil an einem solchen System hat, erklären muss, dann muss ich wohl aufgeben und einsehen, dass man in der Blogosphäre vom wirklichen Leben noch deutlich weniger weiß, als ich bislang annahm…

  16. 16 narodnik 19. November 2008 um 19:48 Uhr

    Right. Das ist doch nur noch ne‘ moralische Kritik. Ich finde Coca Cola als Unternehmen auch nicht so arg toll; trinke aber nichtsdestotrotz gerne deren Produkte. Und ein Boykott ist ein schlechter Scherz – weil eben viele Leute auch auf Schnellrestaurants angewiesen sind im hektischen Arbeitsleben. Wenn ich aus dem Bus steige und McDonalds so zentral liegt, dass ich dem nicht aus dem Weg gehen kann, dann gehe ich selbstredend auch mal dahin um was zu essen.

  17. 17 Klaus Last 20. November 2008 um 2:17 Uhr

    Wie bemisst sich denn die Verantwortung von McDonalds an den 900 Millionen Hungernden? Kannst du da Zahlen nennen? Wenigstens Prozentzahlen? ISt es nicht viel eher ein systematisches Problem, dass Leute im Kapitalismus verhungern? Ist es nicht gerade der Ausschluss vom Eigentum, der die Leute dann auch vom konkreten Brot ausschliesst? Und das ist doch die Ebene, die zu diskutieren ist. Die Würstchenbude ist bloss die weniger erfolgreiche Variante von McD, die aber exakt den selben Zwängen und Zwecken folgt. Wenn der McD nun MaxHavelaar-Kaffee einführt (hat er tatsächlich gemacht)? Da gerät dann der gerechte Konsument ganz schön in die Bedrouille. Darf man da jetzt einen Kaffee trinken? Der ist schliesslich ganz fair hergestellt. Deine Ebene ist einfach falsch! Es geht hier um systematische Probleme. Ein einfaches Gedankenspiel: Wenn statt McD lauter kleine heimische Würstchenbuden in der Gegend rumstehen, diese aber auch nach der Profitlogik wirtschaften müssen; also Umwelt und Menschen unter diesen Zweck zwingen, wäre damit was gewonnen? Nein!

  18. 18 yahya 20. November 2008 um 9:23 Uhr

    Ich bin gerade im Aufbruch zu einer mehrwöchigen Dienstreise, kann also nicht ausführlich antworten. Aber nur soviel: Wieviel Schaden könnten tausend kleine Würstchenbuden anrichten, wenn da nicht die globalen Lebensmittelgiganten wären, Nestlé, General foods und wie sie alle heißen…

    Wenn wir meinen, der Kleinproduzent oder Kleinverbraucher trage dieselbe Verantwortung, wie ein weltumspannender Konzern, dann, in der Tat, sind wir an einem Punkt, wo der Begriff Verantwortung jede Bedeutung verliert und damit auch jeder auf Handeln gerichtete Ansatz sich in einem Wertkritikwölkchen verliert…

    Was die Verantwortung globaler Lebensmittelkonzerne für massenhaften Hunger auf der Welt betrifft, so ist das ein Riesenthema, zu dem es selbstverständlich reichlich Untersuchungen gibt. Bei ernsthaftem Informationsbedarf wende Dich an FIAN oder INKOTA. So und jetzt muss ich zum Flughafen.

    P.S.: Blogs suck. Es es das undemokratischste Medium was man sich denken kann, solange einer der Diskutanten sich stets herausnimmt, gleichzeitig „Moderator“ zu sein.

  19. 19 lysis 20. November 2008 um 11:11 Uhr

    narodnik: Und die Gewerkschafter, die Coca Cola ermorden lässt, sind dir egal? Das ist wohl auch reiner Sachzwang?!

    Bei dem Boykottaufruf gegen Coca Cola geht es um Solidarität und Klassenkampf (und nicht um irgendeine Moral). Jemandem, der wertkritisch argumentiert, scheinen diese Worte aber nichts mehr zu sagen.

  20. 20 narodnik 20. November 2008 um 15:57 Uhr

    Meinst du es ärgert Coca Cola irgendwie besonders wenn ein paar Leute die boykottieren? Das ist doch die Ideologie von der Konsumentensouveränität! Und sicherlich geht es da um konkrete Tatbestände – nur sind die nicht durch einen Boykott der Produktpalette zu klären.

  21. 21 Savo Vasic 20. November 2008 um 19:43 Uhr

    „Es es das undemokratischste Medium was man sich denken kann“

    Demokratie ist ja auch ne gute Sache.

  22. 22 abdel kader 20. November 2008 um 22:39 Uhr

    Und dass der «Hitler-Stalin-Pakt» und damit natürlich auch das Zusatzprotokoll bloss ein taktisches Mittel Stalins zur Zeitgewinnung war.

    Diese Position vertreten auch Lucinao Canfora (siehe http://klassenkampf.freehyperspace4.com/stalin.pdf) oder Kurt Gossweiler, der früher für konkret schrieb.

    Über die Seite des wirren Bloggers findet man lustige Videos:
    http://www.cosmosfilm.tv/movies/capital.mov
    (aufgrund fehlender Russischkenntnisse weiß ich aber nicht, ob dort S. Hussein und Ahmadinejad gelobt werden oder ob man sich über sie lustig macht).

  23. 23 lysis 20. November 2008 um 23:45 Uhr

    narodnik: Unterstütz doch die Mörder weiter, aber lass die Leute in Ruhe, die das nicht tun!

  24. 24 lysis 21. November 2008 um 0:15 Uhr

    Meinst du es ärgert Coca Cola irgendwie besonders wenn ein paar Leute die boykottieren?

    Ja, es ärgert Coca Cola, wenn mittlerweile ganze Universitäten wie z.B. die FU Berlin Coca Cola boykottieren. Warum sollte sie das nicht ärgern? Es handelt sich schließlich um Verluste in Millionenhöhe. Und wenn es nicht solche Vollhonks wie dich gäbe, lägen die Verluste sogar in einem Bereich, der die Ermordung von Gewerkschaftern finanziell unattraktiv machen würde. Aber was juckt das jemanden wie dich, dem es ja nur um das „große Ganze“ geht, aber nicht weiß, wie er da hinkommen soll, da ja jede konkrete Aktion hinter diesem Anspruch notwendig zurückbleibt! Wahrscheinlich müssen wir einfach nur auf den „Messias“ waren, der den „Bann löst“ (Adorno).

    Das ist doch die Ideologie von der Konsumentensouveränität!

    Welche Ideologie sich mit einer bestimmten Praxis verbindet, ist überhaupt nicht ausgemacht. Mit diesem Argument könnte man jeden Arbeiterstreik denunzieren, da er ja nichts als die „Ideologie vom gerechten Lohn“ repräsentiert.

    PS: Scheiß Adorniten!

  25. 25 lysis 21. November 2008 um 0:18 Uhr

    PPS: waren = warten. Wenn ich wütend bin, drück ich zu früh auf den Senden-Knopf! ;)

  26. 26 hank 21. November 2008 um 1:20 Uhr

    „Aber was juckt das jemanden wie dich, dem es ja nur um das “große Ganze” geht, aber nicht weiß, wie er da hinkommen soll, da ja jede konkrete Aktion hinter diesem Anspruch notwendig zurückbleibt!“

    Hast du überhaupt gelesen, was da oben steht? Da steht nix drin vonwegen dass jede konkrete Aktion einfach mal per se verkürzt und deshalb scheisse ist.
    Was bei eben solchen moralischen Argumenten wie „McDo böse weil Konzern, Würstchenbude ok, weil klein“ völlig ausgeblendet wird, ist die Tatsache, dass die Prinzipien, nach denen die zwei funktionieren genau die selben sind: Profitmaximierung. Wenn nun also die klassenlsoe Gesellschaft irgendwann einmal Realität werden soll, geht es darum, dieses Prinzip, die kapitalisitische Wirtschaftsweise mit all ihren Anhängseln, zu durchbrechen und aufzuheben. Und genau diese Kritik fehlt bei Argumenten, die sich appellartig an Unternehmen wenden und nicht analysieren, dass eben genau die privat organisierte und marktwirtschaftlich geregelte Produktion nun mal grössere Konzerne mit sich bringen und ebendiese logischerweise sich „mehr erlauben“ können (mal abgesehen davon, dass Ausbeutung an sich schon „zu viel erlaubt“ ist).

    Und deine Aussage mit den Arbeiterstreiks ist bullshit, aber das weisst du doch selber.

  27. 27 lysis 21. November 2008 um 4:18 Uhr

    du machst denselben fehler wie narodnik. für dich ist eine konkrete aktion automatisch schon mit einer bestimmten argumentation verbunden. genausowenig aber wie ein streik von vornherein eine forderung nach mehr lohngerechtigkeit ist und damit das ganze kapitalistische system affirmiert, genausowenig ist ein boykottaufruf automatisch ein ressentiment gegen großkonzerne im unterschied zu würstchenbuden.

    bei der mcDonalds-kampagne in kreuzberg war das wohl tatsächlich so, aber bei dem coca-cola-boykott geht es ganz konkret um die internationale unterstützungsarbeit für die durch mordaktionen des konzerns bedrohten gewerkschafter in kolumbien. früher hat man das globale arbeitersolidarität genannt, aber das ist ja mittlerweile zum fremdwort mutiert.

    im grunde reagiert ihr genauso reflexhaft „ideologiekritisch“ wie antideutsche: ihr guckt euch die argumente hinter der sache gar nicht mehr an, sondern steckt sie aufgrund formaler ähnlichkeiten mit anderen kampagnen in eine feststehende schublade. genauso macht es uli krug, wenn er klimakritiker als völkische umweltschützer und anhänger der antijüdischen „brunnenvergifter“-legende denunziert. wie die tatsächlich argumentieren, interessiert ihn überhaupt. es reicht ihm völlig aus, dass sich auch die nazis für ökologische themen interessieren. und so ist obama dann auf einmal ein faschist, weil er politik gegen den klimawandel macht.

  28. 28 lysis 21. November 2008 um 4:24 Uhr

    PS: Die RZ hat früher Bombenanschläge auf Konzerne in Deutschland zur Unterstützung von Arbeiterstreiks in Indien organisiert. War das auch bloß die Vorliebe zur Würstchenbude? Tut mir leid, aber diese Kritik ist doch echt Bullshit!

  29. 29 @layla 21. November 2008 um 12:29 Uhr

    ja was denn, willst du abstimmen darüber welche beiträge stehenbleiben und welche nicht? oder einen moderator wählen? pfff..

  30. 30 hank @lysis 21. November 2008 um 15:31 Uhr

    Natürlich ist eine konkrete Aktion wie McDo-Boykott mit einer Überlegung verbunden, ansonsten wäre es kein Boykott sondern bloss ein McDo-Meiden-weil-nicht-gern.
    Dass dies bei wilden Streiks z.B. durchaus nicht der Fall sein muss bzw. oft nicht ist, dass also der Streik konkreten Überlegungen vorausgeht, ist klar – bestreitet hier aber auch niemand.
    Der Unterschied ist halt, dass ein Streik dort ansetzt, wo einerseits der tägliche Frust seinen Ursprung hat und anderseits DEN Schwachpunkt des Kapitalismus betrifft: die Produktion des Mehrwerts. So ist es auch naheliegender, dass Streikende ein Bewusstsein entwickeln können, das hilft, die kapitalistische Produktion zu überwinden – im Gegensatz zu der McDo-Kritik, die auf der Konsumebene hängenbleibt und bestenfalls eine gerechte Verteilugn der Waren fordert.
    Natürlich ist es scheisse, dass Gewerkschafter umgebracht werden und wer mit diesen nicht solidarisch ist, steht so oder so auf der anderen Seite der Barrikaden. Dies kann jedoch NICHT mit Boykotts bekämpft werden kann, sondern eben NUR mit internationaler Arbeitersolidarität.

  31. 31 narodnik 21. November 2008 um 18:17 Uhr

    Richtig.

  32. 32 lysis 22. November 2008 um 23:52 Uhr

    Du trickst ja ganz schön, Hank! Du verschiebst das Thema vom Coca-Cola-Boykott, bei dem es um einen unter Einsatz von Leben und Tod geführten Arbeitskampf in Kolumbien geht, auf den McDonald’s-Boykott in Kreuzberg, als ob es sich dabei um den gleichen Inhalte handelte.

    Für mich artikuliert sich in eurer Denunziation des Coca-Cola-Boykotts einfach nur die Weigerung, mit Arbeitskämpfen solidarisch zu sein, wenn sie sich außerhalb des eigenen Gesichtsfelds abspielen. Tut mir leid, aber das finde ich einfach nur borniert, und euer Versuch, das mit wertkritischen Argumenten zu rechtfertigen, zeigt mir einmal mehr, was von dieser ganzen Scheiße zu halten ist.

    Immerhin kann ich für diesen Aufschluss dankbar sein!

  33. 33 lysis 23. November 2008 um 0:59 Uhr

    Natürlich ist eine konkrete Aktion […] mit einer Überlegung verbunden“

    Ich hab mich vielleicht ungenau ausgedrückt, obwohl man mit etwas gutem Willen hätte verstehen können, was ich meine: ihre betreibt eine alberne formkritik an bestimmten aktionsweisen wie dem boykott und unterstellt denen von vornherein einen bestimmten ideologischen hintergrund, was nunmal absoluter schwachsinn ist. ein boykott gegen coca cola, weil der konzern gewerkschafter ermordern lässt, ist nicht das gleiche wie ein boykott gegen mcDonald’s, weil der die würstchenbuden im kiez bedroht.

    gleichzeitig zeigt ihr eine unbegründete vorliebe für andere aktionsweisen wie den streik, als ob dem die kapitalismuskritik schon qua form eingeschrieben wäre. das ist natürlich genauso quatsch. die meisten streiks sind stockaffirmativ im hinblick auf die darin eingenommene haltung zum system von lohnarbeit und kapital. der aktionsform selbst ist eben nicht anzusehen, was für zwecke sie verfolgt. und das ist der fehler, den ihr beide nicht einsehen wollt.

  34. 34 bigmouth 23. November 2008 um 15:57 Uhr

    Dies kann jedoch NICHT mit Boykotts bekämpft werden kann, sondern eben NUR mit internationaler Arbeitersolidarität.

    argument?

  35. 35 yahya 24. November 2008 um 11:42 Uhr

    Und wie genau macht man „Internationale Arbeitersolidarität“. Tät‘ mich jetzt echt interessieren, auch wenn ich gerade acht Zeitzonen entfernt bin.

    P.S.: @den Besitzer dieses Blogs: Das Problem ist nicht, ob man darüber abstimmt, welche Beiträge in diesem Blog stehen bleiben, sondern das Problme ist, dass alle, zumindest alle meine Beiträge erst einmal „in der Moderationsschlange“ landen, bevor sie veröffentlicht werden, obwohl ich mich nicht erinnern kann, hier ausfällig oder beleidigend geworden zu sein. Ich empfinde solches als Zumutung. In den guten alten Usenet-Newsgroups hat man sich ohne solches stets gut verstanden. Auf Teilnehmer/innen, die man nicht leiden konnte, konnte man sich selbst einfach einen Filter setzen udn fertig, aber bei den Blogs aus dem Umfeld von x-berg.de habe ich es bereits mehrfach erlebt, dass Kommentare aus der „Moderationsschlange“ einfach im Orkus verschwinden, obwohl sie mit Sicherheit sachlich und nicht beleidigend waren. Im Usenet wurde die Frage, was erlaubt ist und was nicht toleriert noch gemeinschaftlich ausgehandelt, in der Blogosphere ist es der Willkür des jeweiligen Blog-Besitzers(!) überlassen. Das empfinde ich als wesentlichen Rückschritt.

  36. 36 Klaus Last 24. November 2008 um 15:50 Uhr

    Obiger Beitrag ist nicht in der Moderationsschlange gelandet. Darauf habe ich auch keinerlei Einfluss. Ich frag mich manchmal auch, wieso welche Beiträge da landen. Ansonsten: Du könntest die Klage ja dann formulieren, wenn du auf irgendeine Weise benachteiligt worden bist. In dieser prophylaktischen Form und dann noch als Allgmeinplatz «undemokratisch», liest sich das schon etwas eigenartig.

  37. 37 bigmouth 24. November 2008 um 22:15 Uhr

    immer den gleichen nick benutzen, immer gleiche e-mailadresse, und am besten noch ein existierendes blog angeben (auch immer gleich). meine beiträge verschwinden nie!

  38. 38 narodnik 25. November 2008 um 15:21 Uhr

    Ich bin doch keiner der den Cola-Boykott sofort mit einer verkürzten – oder gar strukturell antisemitischen – gleichsetzt. Es stellt sich nur die Frage ob es nicht eher dem Gewissen des metropolitanen Studenten etwas nützt, wenn die Mensa Coca Cola rauswirft, als dem von Mörderbanden bedrohten Gewerkschafter in Lateinamerika. Es stellt sich schlichtweg die Frage, ob ein Konsumentenboykott als Kampfmittel etwas taugt.

  39. 39 bigmouth 25. November 2008 um 17:54 Uhr

    afaik haben die „von Mörderbanden bedrohten Gewerkschafter“ selbst zu diesem boykott aufgerufen

  40. 40 yahya 25. November 2008 um 18:20 Uhr

    Narodnik, dieses Rumgeeiere ist ja wirklich bizarr. Was zum Henker hast Du gegen Bokotte? Sie sind eines der klassischen und gelegentlich auch effektiven Mittel internationaler Solidarität, neben vielen anderen natürlich, den guten alten Protestbriefen, Öffentlichkeitsarbeit, meinetwegen auch Streiks, wobei Solidaritätsstreiks einfach deutlich seltener sind, als Boykotte und Briefkampagnen zu diesem Zweck.

    Und wer meint, jede Aktion, die nicht endgültig die Weltrevolution Abschaffung des Werts mit sich bringt sei zu verachten, der ist wahrscheinlich bei der Totaler-Volldurchblick-Gruppenmasturbation unter Anleitung von Justus W. besser aufgehoben.

  41. 41 scheckkartenpunk 25. November 2008 um 20:14 Uhr

    @narodnik: ob so ein konsumentenboykott was taugt, das ist immer noch vom zweck abhängig. wenn der sich konkret gegen coca cola richtet, die konkret gegen gewerkschafter vorgehen, so ist das was anderes als ein mcdonnalds boykott.

  42. 42 narodnik 25. November 2008 um 22:14 Uhr

    Ich trinke aber gerne mal ne‘ Coke am Mittag in der Mensa! :/

  43. 43 lysis 25. November 2008 um 23:43 Uhr

    O Gott, bitte! Als ob’s da um rein individuellen Boykott und nicht um die Ersetzung des Produktangebots in Kneipen und Cafeterien ginge.

    Es gibt übrigens auch andere Colas als von dieser Firma, und gegen alle Werbebotschaften, die du internalisiert haben magst, sind die ziemlich austauschbar, wie alles auf dem Markt.

  44. 44 yahya 26. November 2008 um 6:35 Uhr

    P.S.:

    Dieses „Antideutsche“-Blog ist tatsächlich extrem schwach, das stimmt schon. Trotzdem ist das Thema immer gut für einen kleinen Flamewar zwischendurch… ;-)

  45. 45 yahya 26. November 2008 um 10:10 Uhr

    Wenn allein Streiks eine gültige Aktionsform sein sollen, dann sind alle die ausgeschlossen, die naturgemäß nicht streiken können. Wen sollen Kleinbauern bestreiken? Wen brasilianische Landlose? Wen indigene Gemeinschaften, deren Lebensgrundlage für Rinderfarmen für McDreck vernichtet wird?

    Mehr als Ideologie und Arbeitromantik kann ich da bisher nicht erkennen. Warum sollen nur die sich zur Wehr setzen, die an der Produktion des Mehrwerts teilhaben? Warum nicht die, die ausgeschlossen sind? Was machen wir in dem Fall, dass hiesige Lohnempfänger sich einen Dreck darum scheren, welche Schweinereien ihr Arbeitgeber anderenorts anrichtet? Und das ist der Regelfall. Oder haben schonmal deutsche VW-Arbeiter gegen die Machenschaften von VW do Brazil gestreikt?

    Das einzige „Argument“, das ich hier erkennen kann ist, dass aus Sicht unserer versammelten Wertkritiker hier alle diese Aktionen jeweils irgendeiner nicht näher spezifizierten falschen Ideologie zugerechnet werden. Und all das nur, um anschließend selbst mit Begriffen zu hantieren, die ihrerseits reichlich phrasenhaft, romantisch und ideologisch sind („Internationale Arbeitersolidarität“)

  46. 46 yahya 26. November 2008 um 17:25 Uhr

    Über die Seite des wirren Bloggers findet man lustige Videos:
    http://www.cosmosfilm.tv/movies/capital.mov
    (aufgrund fehlender Russischkenntnisse weiß ich aber nicht, ob dort S. Hussein und Ahmadinejad gelobt werden oder ob man sich über sie lustig macht).

    Weder, noch. Keiner von beiden kommt im Text vor.

    Der Refrain lautet „In der linken Hand Snickers/ In der rechten Hand Mars/ Mein PR-Manager ist Karl Marx. Kapital/ Kapital.“

    Der restliche Text ist ‚n bisschen wirr, das Kapital besingt sich da selbst aus der Ich-Perspektive. Keiner der gezeigten Diktatoren kommt im Text vor.

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