Die Welt gratuliert (vorallem sich selbst)

Die Welt freut sich über die Wahl von Barack Obama und klatscht sich selbst Beifall. Jetzt wird alles besser: Die Aktienkurse steigen, der Hunger auf der Welt findet ein Ende, die Ausbeutung ist sozusagen Geschichte und der Winter ab sofort abgeschafft. Dazu muss natürlich von den Grossen und Wichtigen dieser Welt etwas gesagt sein. Man will ja nicht in der Ecke stehen, wenn der neugewählte Weltgeist hoch zu Pferde oder zumindest mit den Füssen nach unten für Recht und Ordnung sorgt.

null
Komikerduo: Berlusconi und Fini (Ex-AN)

Silvio Berlusconi, Solariumgänger und nebenberuflich Ministerpräsident von Italien, liess über Obama verlauten, dass selbiger «jung, hübsch und gebräunt» sei. Das Ansehen Italiens in Gefahr sah daraufhin Dario Franceschini von der Demokratischen Partei, wurde dafür aber von Berlusconi als Schwarzmaler bezeichnet. Mit weniger hochgezogenen Mundwinkeln, dafür um so richtiger und wichtiger, erklärte Diddy aka P. Diddy aka Puff Daddy aka Puffy: «Ich habe das Gefühl, es war meine Stimme, die ihn ins Amt brachte». Ob auf der neuen Platte ein Feature von Obama zu erwarten ist, wollte P. Diddy weder bestätigen noch dementieren. George Clooney gab zu Protokoll: «Jetzt ist es an der Zeit, das Land zu vereinen, um die enormen Herausforderungen unserer Generation anzugehen.» Der Sezessionskrieg ist zwar seit einigen Jahren beigelegt, aber darüber kann man hinwegsehen, immerhin hat Clooney ein Auge für die nahende Midlifecrisis. Allen überlegen in ihrem Weitblick und Tiefsinn war allerdings die noch nichtmal ganz servelat-prominente Schriftstellerin Milena Moser, die im Tagesanzeiger vermeldete: «Erfinden sie Amerika. Erfinden sie (…) ein grünes Amerika, in dem Ketch-up kein Gemüse ist. Erfinden Sie ein Land, in dem junge Menschen andere Optionen haben, als sich totschiessen zu lassen». Ob Obama noch Leute in seinem Beraterstab braucht?


3 Antworten auf “Die Welt gratuliert (vorallem sich selbst)”

  1. 1 1234 07. November 2008 um 15:53 Uhr

    Logisch, Obama fällt unter die gleiche Kategorie wie Oskar Lafontaine: ein Politiker der evtl. für konkrete Verbesserungen sorgen könnte, die der mehrheit der Menschen zu gute kommen, ohne gleichzeitig den kapitalismus abschaffen zu wollen.

    Sowas mögen Linksradikale Phantasten natürlich nicht.

  2. 2 Klaus Last 07. November 2008 um 16:36 Uhr

    Gleich Kategorie? Nee.
    Gleiche Scheisse? Ja.

  3. 3 Savo Vasic 07. November 2008 um 20:32 Uhr

    „in dem Ketch-up kein Gemüse ist.“

    Diese Frau Moser lügt sich ihre Welt zusammen, wie es ihr gefällt!

    @1234:

    „Linksradikale Phantasten“

    Einem Schlaumeier wie Dir müsste eigentlich aufgefallen sein, dass es eher unklug ist, solche Dinge rauszulassen – In 4 Jahren zergeht ansonsten dein Geschwätz wie heisse Schokolade.
    Aber mit den richtigen Parteideppen lässt sich die Geschichte zweifelsohne anders schreiben.

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.

Empfehlungen