Archiv für November 2008

Peer Steinbrück tritt der JUSO bei!

Der deutsche Bundesfinanzminister verkündete kürzlich offiziell die Forderungen, welche die JUSO bereits vor einigen Wochen beschlossen hatte. Es geht voran, Genossen!

Die Welt als Wahn (3)

Beat Kappeler war mal Sekretär des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes und mit der politischen Verwaltung des variablen Kapitals betraut. Nun ist er schon seit einigen Jahren freier Wirtschaftsjournalist und mit der ökonomischen Verklärung der Welt beschäftigt. Gerettet hat er sich selbstverständlich den Blick auf die Proleten als Zahlen einer Statistik und als Probleme, die zu lösen sind. Darum schreibt er in der NZZ am Sonntag einen Artikel unter dem Titel «Je schlimmer die Krise, desto grösser wird die Hoffnung». Klar, Herr Kappeler: Je dreister eine Lüge, desto grösser ist ihre Wirkung.


Beat Kappeler; Je falscher das Geschriebene, desto besser das Gefühl

Als Beispiel hoffnungsvoller Wendungen nennt er zwei Annahmen aus der «kleinen Alltagswelt»:

«Wenn lange wenig gebaut wird, dann regt sich irgendwann das Interesse für bestehende Häuser, ihre Preise steigen wieder an, die Hypotheken darauf werden sicherer, die Banken verlieren weniger. Hunderttausende haben ihr Haus abgegeben und Geld verloren, hundertausende junger Paare kaufen mit wenig Geld ihr erstes Heim oder mieten sich günstig ein.»

Da haben also die Leute ihre Häuser abgegeben, wie man einen lästigen Mantel an der Garderobe der Oper abgibt und machen sich’s drinnen bequem. Blöderweise zieht’s im Saal und es ist auch kein Ende der Aufführung abzusehen. Das ist Kappeler aber egal, denn schliesslich soll man hoffnungsvoll sein. Die nun Obdachlosen überlassen ihre Immobilien jungen Paaren, also dem Fundament eines gesunden Volkes. Hurra! Den hundertausend obdachlosen Proleten wird das aller Voraussicht nach egal sein. Im Winter ist es draussen auch kalt, wenn drinnen Kappelers und junge Paare am Kamin sitzen. Und wenn übrigens die Imobilienpreise wieder steigen, dann mieten oder kaufen die Paare die Häuser eben nicht günstig. Zudem müssen sie das Geld für den Kauf ja auch erstmal haben, da die Banken momentan mit Krediten eher «zurückhaltend» sind. Dummerweise kommt da aber erstmal noch die Kreditkarten-Überschuldung auf uns zu. Ein Grund zur Hoffnung!

Dass die Banken weniger verlieren ist Kappeler natürlich das erste Anliegen. Dies liegt aber – ganz entgegen seiner liberal-bornierten Auffassung – in erster Linie an den staatlichen Rettungspaketen, die eben jene Finanzinstitute vorerst vor dem Untergang gerettet haben.

«Nehmen wir die andere schlechte Meldung, dass so viele amerikanische Arbeitslose wie im fernen 1991 auf der Strasse stehen. Schlimm für die Arbeiter, gut für die Firmen, die jetzt mit weniger Kosten pro Stück fahren, also die Produktivität steigern, die Preise mässigen und so die Nachfrage anlocken. Eines Tages werden sie die billigen Importe eindämmen und wieder Leute anstellen.»

Die Parteilichkeit für das Kapital und gegen die Arbeiter wärde damit offen ausgesprochen. Danke.
Was Kappeler hier verbricht, ist eigentlich bloss noch in Kategorien der Psychpathologie zu erklären. Es soll also Hoffnung machen, dass nach einer Zeit der zu erwarteten Rezession und Massenarbeitslosigkeit der Status Quo wieder hergestellt werden soll. Freut sich Herr Kappeler auch auf jede Grippe, weil er nach einigen Tagen möglicherweise wieder gesund werden wird? Wäre die Lüge wahr, die Kappeler hier – wahrscheinlich wie Adornos bekannter Deutscher – erzählt, sie wäre dennoch idiotisch. Bekannt ist aber, dass bei Anwachsen der industriellen Reservearmee der Preis der Arbeitskraft sinkt. Was Kappeler da also als grosse Chance verkauft, bedeutet für den Arbeiter im Falle einer Wiedereinstellung einen tieferen Lohn. Zudem vergisst der liberal-bornierte Blick, was die im Auftrieb sich befindlichen Keynesianer immer grossartig vortragen: Wenn da massenhaft Leute arbeitslos werden und entsprechend weniger Kohle im Geldbeutel haben, dann wird auch der Konsum zurückgehen und entsprechend der Absatz schrumpfen.

Dass die «billigen Importe» nicht das Problem sind, sondern gerade zum Lebensstandart notwendig sind, so dass die USA im Jahre Konsumgüter im Wert von etwa 500 Milliarden Dollar aus China importieren, das weiss Kappeler als «freier Wirtschaftsjournalist» selber. Weil er als solcher aber auch «weiss», dass der Markt das schon alles irgendwie regeln wird, will er es einfach gar nicht hören. Und darum will er auch einfachste Kausalzusammenhänge nicht oder nur falsch herum wahrnehmen: Arbeitslose gibt es im Kapitalismus häufig, weil die Produktivität steigt. Weil also neue Maschinen und Arbeitstechniken eingeführt werden, wird es nicht für alle Beteiligten angenehmener, sondern ein Teil der Angestellten wird aufs Pflaster geschmissen (wenn denn nicht der entsprechende Marktanteil vergrössert wird). Nun kehrt Kappeler diesen Zusammenhang einfach um und behauptet, dass die massenhafte Freisetzung von Arbeitskräften zu einer Produktivitätssteigerung führt. Das ist etwa so borniert, wie zu behaupten, die liberalen Wirtschaftsjournalisten würden einen solchen Unsinn zusammenschreiben, weil sie dumm seien. Umgekehrt verhält es sich mit den Kappelers dieser Welt: Sie sind und schreiben darum so dumm, weil sie den Standpunkt des Liberalen noch gegen jeden empirischen Beweis behaupten.

Ein Papiertiger aus Dollarnoten

«Falls an unseren Absichten und Fähigkeiten irgendwelche Zweifel bestehen, sind Russland und Argentinien hervorragende Beispiele an der wirtschaftlichen Front, so wie Irak durch den Boykott und Serbien und Afghanistan an der militärischen Front. Letzteres – aber eigentlich beides – war gemeint, als Präsident Bush der Vater 1991 bei der Bombardierung des Irak Die neue Weltordnung ausrief.
Der Dollar ist buchstäblich ein Papiertiger. Er ist nämlich auf Papier gedruckt, dessen Wert einzig darauf beruht, dass er auf der ganzen Welt akzeptiert wird und man auf der ganzen Welt darauf vertraut, dass er akzeptiert wird. Dieses Vertrauen kann schwinden oder dem Dollar von einem Tag auf den anderen völlig entzogen werden, wodurch er die Hälfte oder mehr seines Wertes verlieren könnte. Jeder Wertverlust des Dollars hätte nicht nur einschneidende Folgen für Konsum und Investitionen in den USA und für Dollarvermögen, sondern er würde auch die Fähigkeit der USA beeinträchtigen, ihren militärischen Apparat aufrechtzuerhalten und einzusetzen. Umgekehrt würde auch jedes militärische Desaster das Vertrauen in den Dollar und damit seinen Wert schwächen.» (Wildcat März 2003)

«Obwohl die Vereinigten Staaten wahrscheinlich der mächtigste einzelne Akteur bleiben, wird ihre relative Stärke – sogar auf militärischem Gebiet – sinken und ihr Einfluss schwächer werden. (…) Das internationale System, wie es nach dem zweiten Weltkrieg entstand, wird 2025 fast nicht mehr wiederzuerkennen sein. (…) Schuld daran ist das Wachstum der Schwellenländer, eine globalisierte Wirtschaft, der Transfer von Reichtum von West nach Ost und der wachsende Einfluss von nichtstaatlichen Akteuren.» (…) Der US-Dollar wird laut Geheimdienst seine Rolle als stärkste globale Währung verlieren – und nur noch «der Erste unter Gleichen» sein. «Wir können auch ein Szenario des Wettrüstens, der territorialen Expansion und militärischer Rivalitäten wie im 19. Jahrhundert nicht ausschließen.» (US-Geheimdienst November 2008)

Die Welt als Wahn (2)

Kathrin Fichtel schreibt im Spiegel Online einen Artikel über die erwarteten Massenentlassungen in der Automobilindustrie. Der Lead des Textes endet mit dem Satz: «Doch in der Krise steckt auch eine Chance.» Ähnlichen Müll hat man den Leuten ja auch schon angedreht und so hofft die Schreiberin, dass niemand ihren Artikel durchliest. Denn das einzige, was sich in ihrem Artikel als Chance interpretieren lässt, ist die Aussage eines Herrn Hinsen vom Bundesverband für Zeitarbeit: «Ein Unternehmer auf Expansionskurs würde doch in unsicheren Zeiten eher flexible Zeitarbeiter einstellen.» Expansionskurs vorausgesetzt, ist es also eine Chance, wenn man die Leute bloss noch auf Zeit einstellt und damit die ohnehin prekäre Situation der Lohnabhängigkeit potenziert. Scheisse als Chance. Chance als Scheisse.


Kathrin Fichtel; «Ich mach’ mir die Welt Widdewidde wie sie mir gefällt»

Die Krise im Bild

hier sieht man’s besser.

Beim Nachbarn steht der Schrank offen

Das Auslaufmodell «Antideutsch» kämpft nicht bloss mit der Verabschiedung seiner Teilnehmer, sondern auch mit dem Verschwinden des ohnehin kümmerlichen Restverstandes seiner Pfaffen, Bürger und Patienten. So kann man die Kunden und Kundenberater der politischen Regression ruhig ihren Selbstinszenierungen und Delirien überlassen. Ebenso belustigend ist allerdings, dass noch im Niedergang dieser Peinlichkeit regelmässig Kritiker auftauchen, die noch einen Zacken blöder sind als ihr Gegenstand. So geschehen kürzlich in meinem Block. Ein neuer Nachbar ist eingezogen. Und dieser Nachbar weiss allerhand über die Welt im Allgemeinen und die Antideutschen im Besonderen.


Das Skript zum Blogbeitrag meines Nachbarn?

Die Antideutschen seien nicht antifaschistisch, weil sie nicht gegen Atomkraftwerke und andere Umwelt-Kaputt-Sachen seien. Dies lasse sich gleich zweifach belegen: Einerseits weil die Nazis auch nichts für Ökologie übrig hätten und zudem wolle man mit dem Vorwurf des völkischen an die Ökobewegung die deutsche Nation nach vorne bringen. Dass gerade ein grossteil der bescheuerten Urteile der Antideutschen aus dem konsequenten Blick durch die antifaschistische Lupe und dem Beharren auf der falschen Logik des Antifaschismus abgeleitet werden kann, das kommt dem Nachbarn nicht in den Sinn. Dass gerade die moderne Volksfront, die gegen die «Islamofaschisten» mobilisiert und noch Beckstein mit ins Boot holen will, sich aus eben dieser Logik ergibt, das will er wohl nicht hören. Ebensowenig will er etwas über Logik oder Tatsachen hören. Und so schliesst er messerscharf, aus dem was seiner Phantasie entspringt: «Es werden klassische Nazi-Stereotypen des strukturellen Antisemitismus bemüht, um sämtlichen AntikapitalistInnen Antisemitismus vorwerfen zu können. Der Sinn ist die Förderung des Antisemitismus im deutschen Sprachraum. Denn wer sagt, Antikapitalismus sei antisemitisch, sagt auch, dass Kapitalismus jüdisch sei. Die Antideutschen erweisen sich hierbei als die eigentlichen Antisemiten.» An dieser Stelle war ich mir dann nicht mehr sicher, ob mein Nachbar ein Jugendlicher, ein dadaistischer Dichter oder aber ein Komödiant ist. Wie auch immer: Schon die blosse Faktenverkennung verbietet eigentlich jede ernsthafte Auseinandersetzung. Im Weiteren geht’s dann auch darum, dass die Antideutschen den Linken vorwerfen für den Faschismus und den Holocaust verantwortlich zu sein. Dass sie blosses Konstrukt von Nachrichtendiensten sind. Dass die Juden ihre Märtyrer sind. Und dass der «Hitler-Stalin-Pakt» und damit natürlich auch das Zusatzprotokoll bloss ein taktisches Mittel Stalins zur Zeitgewinnung war.

Und so sollte man dann auch nicht weiter sich mit dem Blog beschäftigen, wäre er eben nicht das «grösste historische Ereignis», ganz im Gegensatz zum Fall der Berliner Mauer.

Schüler-SA


So sieht die SA in der Postmoderne aus

Gunnar Schupelius, seines Zeichens Journalist bei der B.Z., weiss, was wirklich schlimm ist: «Die Humboldt-Universität hat schlimme Zeiten erlebt. 1933 haben Nazis ihre Bücher auf dem Bebelplatz verbrannt. Bis 1989 diktierte die SED ihren Lehrplan. (…) Sie wurde diese Woche Opfer eines Anschlags.» Erst die Nazis, dann die Kommunisten und jetzt fallen auch noch Schüler über die Wissenschaftsfabrik her. Der Präsident selbiger Institution kann den Leuten in die Köpfe schauen. Darum weiss er auch, dass die Randale light, die die Schüler da veranstaltet haben, «ein Attentat auf unsere jüdischen Mitbürger und die ganze demokratische Kultur des Landes» ist. Also Schüler: Nächstes Mal die Arme einziehen, wenn ihr zu 1000 durch das Foyer rennt. Und bitte etwas mehr Randale, das Toilettenpapier und die paar Bücher sind im nu weggeräumt.

Ein bisschen Hass am Abend

Für Buraz

Kurze Geschichte einer dummen Idee

Am 15. November organisiert die parlamentarische Linke von Juso über Grüne bis zur SP gemeinsam mit den Gewerkschaften eine Demonstration gegen die «Milliarden-Abzockerei». Dazu musste natürlich ein plakatives und möglichst effekthaschendes Sujet her. Und so so dachten sich einige Kreative besonders kreativ: «Hey, wir machen doch einfach dieses scheussliche Plakat der SVP zur Einbürgerungsinitiative mal auf links». Gesagt, getan. Man wechselte also die nach schweizer Pässen greifenden Hände durch goldbeschmückte und anzugbekleidete Arme und Hände aus, welche nach Geldnoten griffeln. Da man von den organisierenden Kräften sowas wie eine Kritik am Kapitalismus ohnehin nicht erwarten kann und das Motto entsprechend «Milliarden-Abzockerei Stop» lautet, müsste man sich darüber auch nicht weiter ärgern. Wenn man natürlich auch den affirmativen Standpunkt und ihr alternatives Staatsprogramm kritisieren muss.


Ganz rechts: Die Schweiz, ein Schwein!

Richtig ärgerlich wird es nun aber doch, weil da ein ganz besonders heller Kopf auf die glorreiche Idee kam, statt der Kiste mit Geld doch eine Sparschwein mit Schweizerkreuz ins Zentrum des zu plakatierenden Unsinns zu stellen. Etwas näher an der Aussage des Ursprungsplakates ist man damit bereits wieder: Da machen Leute die Schweiz kaputt! Aufpassen! Und damit wird dann auch gleich der Rahmen der Veranstaltung bildlich klargestellt: Man muss das Sparschwein Schweiz vor den gierigen Banken und Banker schützen. Natürlich muss man dazu auch den bornierten Stolz auf das weisse Kreuz vor rotem Grund mobilisieren. Damit machen Gewerkschaften und die sozialdekorativen Parteien mal wieder, was sie immer machen: Den nationalen Standort verteidigen und eine alternative Verwertungsperspektive bieten.

Die Welt gratuliert (vorallem sich selbst)

Die Welt freut sich über die Wahl von Barack Obama und klatscht sich selbst Beifall. Jetzt wird alles besser: Die Aktienkurse steigen, der Hunger auf der Welt findet ein Ende, die Ausbeutung ist sozusagen Geschichte und der Winter ab sofort abgeschafft. Dazu muss natürlich von den Grossen und Wichtigen dieser Welt etwas gesagt sein. Man will ja nicht in der Ecke stehen, wenn der neugewählte Weltgeist hoch zu Pferde oder zumindest mit den Füssen nach unten für Recht und Ordnung sorgt.

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Komikerduo: Berlusconi und Fini (Ex-AN)

Silvio Berlusconi, Solariumgänger und nebenberuflich Ministerpräsident von Italien, liess über Obama verlauten, dass selbiger «jung, hübsch und gebräunt» sei. Das Ansehen Italiens in Gefahr sah daraufhin Dario Franceschini von der Demokratischen Partei, wurde dafür aber von Berlusconi als Schwarzmaler bezeichnet. Mit weniger hochgezogenen Mundwinkeln, dafür um so richtiger und wichtiger, erklärte Diddy aka P. Diddy aka Puff Daddy aka Puffy: «Ich habe das Gefühl, es war meine Stimme, die ihn ins Amt brachte». Ob auf der neuen Platte ein Feature von Obama zu erwarten ist, wollte P. Diddy weder bestätigen noch dementieren. George Clooney gab zu Protokoll: «Jetzt ist es an der Zeit, das Land zu vereinen, um die enormen Herausforderungen unserer Generation anzugehen.» Der Sezessionskrieg ist zwar seit einigen Jahren beigelegt, aber darüber kann man hinwegsehen, immerhin hat Clooney ein Auge für die nahende Midlifecrisis. Allen überlegen in ihrem Weitblick und Tiefsinn war allerdings die noch nichtmal ganz servelat-prominente Schriftstellerin Milena Moser, die im Tagesanzeiger vermeldete: «Erfinden sie Amerika. Erfinden sie (…) ein grünes Amerika, in dem Ketch-up kein Gemüse ist. Erfinden Sie ein Land, in dem junge Menschen andere Optionen haben, als sich totschiessen zu lassen». Ob Obama noch Leute in seinem Beraterstab braucht?

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