Sodom und Davos

WEF-Gründer Klaus Schwab gesteht, dass die Finanzbosse vor allem wegen den wilden Luxuspartys nach Davos kamen.
«Die Partys haben immer mehr überhandgenommen. Es geriet ausser Kontrolle», sagte gestern Klaus Schwab (70) der US-Nachrichtenagentur Bloomberg. Die eigentliche Idee des World Economic Forums über die Herausforderungen der heutigen Zeit zu diskutieren, habe dabei an Aufmerksamkeit verloren. Der operative Wef-Chef Kevin Steinberg stellt die Banker vollends an den Pranger: «Für die Topbanker war es wichtiger, sich den grössten Partyraum zu sichern, als an Diskussionen teilzunehmen.» Und weiter: «Wir erfüllten der Finanzelite jeden Wunsch: Einzelreferate, ­Luxushotels und VIP-Behandlungen, die wir uns sonst für niemanden geleistet haben.» Schwab bereut zutiefst, nicht durchgegriffen zu haben, und verspricht für nächstes Jahr, dass in Davos neue Verhaltens­regeln für die Finanzwelt erarbeitet werden.


«Feigenblatt» Bono mit zwei Exemplaren der wohlumsorgten Weltbevölkerung

Schlimm! Statt sich über neue Vertragsabschlüsse und Krisenstrategien zu unterhalten, haben die bloss gekokst und gefickt! Statt die Ausbeutungsbedingungen zu verbessern und internationale Abkommen zur Bewältigung der Füchtlingsströme anzuleiern, bloss gesoffen und getanzt! Erschreckendes fand in diesem Zusammenhang der Co-Sekretär von Attac Schweiz heraus: «Dies zeigt, dass den Teilnehmern des Wefs das Wohl der Menschheit komplett egal ist». Das wär doch eigentlich ganz gut, wenn dem Personal des Kapitals nicht zu jedem Auf- und Widerstand die entsprechende Antwort einfallen würde. Es wäre doch zu begrüssen, wenn die Banker und Broker zu besoffen sind um darauf zu reagieren, dass ihnen der Laden um die Ohren fliegt. Und es wär doch ganz amüsant, wenn der eine oder andere mit heruntergelassenen Hosen und voller Nase auf die Schnauze fliegt. Leider aber haben die das Wohl des Kapitals sehr wohl im Kopf. Dass dazu in der Regel auch die Reproduktion der Arbeitskraftbehälter in den Metropolen gehört, dass ist das Glück von Attac-Funktionären und anderen Ideologen des humanen Kapitalismus.

Übrigens wurde endlich geklärt, was Bono, der Ober-Schwadroneur des Humanismus so in Davos getrieben hat, wenn er nicht brav Pfoten geschüttelt und debil in Kameras gegrinst hat. Sein Freund Bob Geldorf liess bereits verlauten, dass am nächsten Live Aid Konzert dafür das Doppelte eingespielt werde. Zudem sei ab sofort die Presse im Backstage-Bereich willkommen.

Eine etwas fundiertere Kritik am WEF und seinem Widerstand findet man hier.


4 Antworten auf “Sodom und Davos”

  1. 1 Earendil 31. Oktober 2008 um 23:14 Uhr

    „Eine etwas fundiertere Kritik am WEF und seinem Widerstand findet man hier.“

    Wohl unter Betonung von „etwas“. Eine Kritik mit dem Untertitel „Kapitalismus statt WEF bekämpfen“ fängt schon mal nicht besonders gut an… (Der Gegensatz, den diese Phrase konstruiert, existiert nicht.)

  2. 2 Klaus Last 01. November 2008 um 6:22 Uhr

    Ist halt ein Flyer. Zudem muss man wohl die Schwerpunktsetzung beachten. Scheint ja vorallem auch eine Kritik an der eigentlich schon toten Antiglobalisierungsbewegung zu sein.

  3. 3 Henry 06. November 2008 um 22:35 Uhr

    Schweizer Bänker werden und mitfeiern erscheint mir sogar noch erfolgsversprechender.

    Aber wenns dazu kommt, lieber öffentlich mit Mädels ablichten lassen oder sich zum Wohl der Menschheit bekennen?

    Am Stuss, den Schwab und Konsorten verzapfen ändert wohl beides nüscht.

  4. 4 lecker 11. November 2008 um 1:48 Uhr

    bono müsste man sein :(

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