Held der Woche (4)

Dieser Mann rettet die Ehre der Manager!
Oder doch nur sich selbst?


Hans-Werner Sinn; «Meine Analogie lag doch bloss so weit daneben.»

In den letzten Wochen retten sich die überforderten Ideologieproduzenten des «freien Marktes» in allerhand Analogien. So auch der Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung an der Uni München, Hans-Werner Sinn. Dieser erklärte kürzlich die «Stockungen» an den Finanzmärkten mittels eines Vergleichs mit dem chaotischen und darum stockenden Verkehrsfluss in Indien und fragte: «Sind daran die «Manager» an den Steuerrädern schuld oder fehlende Verkehrsregeln?» Entweder, oder? Die Frage nach der grundsätzlichen Beschaffenheit des indischen Verkehrswesens mag Sinn natürlich gar nicht aufkommen lassen. Für sowas sind Analogien da: Bloss nicht die richtigen Fragen über den eigentlich zu behandelnden Gegenstand stellen. So weit, so schlau. Dummerweise aber nun griff der Mann zur Ehrrettung des Berufsstandes der Manager zu einer anderen Analogie und erklärte im Rückgriff auf die Krise nach 1929: «Damals hat es in Deutschland die Juden getroffen, heute sind es die Manager.» Nach gründlicher Recherche fand nun aber sein Mitarbeiterstab heraus, dass es in Bezug auf Manager weder Rassegesetze gibt, noch vom Bau von Konzentrationslagern zu berichten ist. Zudem hat ein Spezialist an Sinns Institut festgestellt, dass die Kategorie «Manager» in erster Linie eine ökonomische ist. Etwas peinlich berührt ob seiner derart offensichtlich mangelhaften Analogie, gab Sinn nun zu Protokoll: Die tiefe persönliche Freundschaft «mit vielen jüdischen Kollegen auf dieser Welt» habe ihn tief geprägt. Mein bester Freund ist Jude? Gut so, Herr Sinn. Dann noch eine duselige Entschuldigung nachschieben und der eigene Ruf ist halbwegs gerettet. Für künftige Krisen vielleicht folgendes Merken: Blieben sie doch einfach bei den für ihren Berufststand üblichen Lügen. «Etwas mehr Ungleichheit bei der Einkommensverteilung macht auch für die weniger gut dabei Wegkommenden letztlich einen höheren Lebensstandard, als wenn man ein egalitäres System schafft wo alle das gleiche kriegen und alle gleichermaßen arm sind». Damit ersparen sie sich allerhand Ungemach.


1 Antwort auf “Held der Woche (4)”

  1. 1 Klasna Borba 28. Oktober 2008 um 14:07 Uhr

    Zu gleichen Thema habe ich grad einen recht guten Artikel von Hanloser gefunden: http://www.unrast-verlag.de/unrast,3,0,469.html

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