Held der Woche (3)

Dieser Mann rettet Anstand und Sitte!


Oskar Lafontaine; Die Faust des kleinen Mannes

Als Vertreter des deutschen kleinen Mannes wusste Lafontaine schon immer, dass der deutsche Staat seine Bürger schützen muss, «weil Fremdarbeiter (mit) zu niedrigen Löhnen ihnen die Arbeitsplätze wegnehmen». Und weil sein Herz links schlägt, fordert er nun auch für die anderen, die zwar deutsch, aber nicht klein sind, harte Strafen. Die Manager – schon seit einiger Zeit als egoistisch-gierige Schädlinge am Gemeinwohl ausgemacht* – müssten endlich mal weggesperrt werden. «Hätten wir da ordentliche Gesetze, dann müssten jetzt einige hinter Schloss und Riegel.» Denn wer hohe Summen «verzockt» und dennoch hohe Abfindungen kassiert, der könnte ja den Eindruck erwecken, dass ein schönes Leben unabhängig von Leistung, Fleiss und Verzicht drin liegen könnte. Das darf nicht sein! Es wird zwar nicht ausgesprochen, aber «wenn alles gesagt ist, ist alles gesagt.»

* Schlagt die Heuschrecken, wo ihr sie trefft!


35 Antworten auf “Held der Woche (3)”

  1. 1 qwer 20. Oktober 2008 um 16:48 Uhr

    Vielleicht kannst du das mit dem „ein schönes Leben unabhängig von Leistung, Fleiss und Verzicht“ etwas näher erklären?

    Die Existenz dieser Banker kann ich jedenfalls nicht so ohne weiteres damitin Verbindung bringen (im übrigen hat Oskar recht).

  2. 2 Klaus Last 20. Oktober 2008 um 17:02 Uhr

    All zu schwierig ist das ja nicht zu verstehen. Wenn du dir die aktuellen Diskussionen über die gierigen Manager so anhörst, dann wirst du recht schnell feststellen, dass da immer mit Massstäben von Fleiss, Bescheidenheit und Leistung hantiert wird. Bloss wer genügend Gewinne macht, soll auch Boni erhalten. Nicht, dass das dauergestresste Personal des Finanzkapitals ein schönes Leben wie ich mir das vorstelle zu führen in der Lage wären, aber die Entkoppelung von Leistung und Entlöhung wird an denen ständig bemängelt. Das ist doch gerade der eigentlich Inhalt der Manager-“Kritik“ von Lafo und Kumpanen: Die kriegen viel zu hohe Saläre dafür, dass sie eigentlich nichts tun – und dann sind die nichtmal bescheiden genug die Millionen abzulehnen.

    Womit hat Lafo recht? Damit, dass Ausländer gefälligst in ihren „eigenen“ Ländern um Arbeitsplätze konkurrieren sollen? Falls ja: Du bist hier definitiv am falschen Platz.

  3. 3 Entdinglichung 20. Oktober 2008 um 18:30 Uhr

    Lafontaine war immer schon für „Law & Order“ (und gehörte nie zur „SPD-Linken“ im eigentlichen Sinne) … da war doch was? … richtig … aber weil er WählerInnenstimmen und Pöstchen bringt, sieht die „Linke innerhalb der LINKEN“ darüber (wie auch über seine rassistischen Ausfälle, seine aktivistische Zustimmung zur Asylrechtsabschaffung 1993 und seinen Tabubrecher-Vorschlag von 1988 zu einer 35-Stunden-Woche bei Lohnverzicht) grosszügig hinweg … vor 25 jahren Populist, heute immer noch Populist

  4. 4 nachdenklich 20. Oktober 2008 um 19:05 Uhr

    Nee, dem Lafontaine geht’s, wie allen Sozialdemokraten darum, den Ruf des Kapitalismus zu retten. Schuld sollen die Manager sein, nicht das System. Eigentlich sind ja Manager auch Angestellte, also Lohnarbeiter. Doch dürfte es wohl kaum zu vermitteln sein, warum deren Untergebene mit ihnen solidarisch sein sollten.

  5. 5 narodnik 20. Oktober 2008 um 19:22 Uhr

    @ nachdenklich

    Manager = Lohnarbeiter? Nein, so kann man das doch nicht sagen! Die verfügen übers Kapital, haben die Macht zu entscheiden wo es investiert wird. Der Eigentümer tritt hier in den Hintergrund. Nur sind die Manager doch als Angestellte keine Lohnarbeiter; denn abhängig sind die nicht kurzfristig vom Lohn wie ein Staplerfahrer beim Baumarkt.

  6. 6 lahmacun aka Laura 20. Oktober 2008 um 21:02 Uhr

    wie kurzfristig muss es denn sein, damit es (noch) passt?

  7. 7 Klaus Last 20. Oktober 2008 um 23:14 Uhr

    Der Unterschied liegt doch erstmal in der Verfügungsgewalt über Kapital. Das heisst, dass die Manager eine wichtige aktive Funktion für den Akkumulationsprozess spielen, sich dabei den Kopf zu zerbrechen haben wie sich der Gewinn maximieren lässt und die entsprechenden Schritte in die Wege zu leiten haben. Zudem werden die bei entsprechendem Erfolg oder auch bloss passendem Posten über kurz oder lang am Unternehmen beteiligt oder eignen sich wenigstens eigenes Kapital – das soll den Stapelfahrern dieser Welt höchst selten passiert sein.

  8. 8 lahmacun aka Laura 21. Oktober 2008 um 8:48 Uhr

    am unternehmen werden die beteiligt, weil: http://de.wikipedia.org/wiki/Manager_(Wirtschaft)#Zielkonflikt_Eigent.C3.BCmer_vs._Manager

    dann wäre natürlich noch anzumerken, dass die meisten manager/innen nicht sonderlich viel absahnen. kommt aufs unternehmen an, auf den „marktwert“ des managers – also v.a., in welchem ausmaß sich die eigentümer gewinnsteigerungen erwarten –, und last but not least spielt natürlich ne rolle, von was für einer management-ebene wir denn sprechen. mittlere? untere?

    Wie der Kapitalist zunächst entbunden wird von der Handarbeit, sobald sein Kapital jene Minimalgröße erreicht hat, womit die eigentlich kapitalistische Produktion erst beginnt, so tritt er jetzt die Funktion unmittelbarer und fortwährender Beaufsichtigung der einzelnen Arbeiter und Arbeitergruppen selbst wieder ab an eine besondere Sorte von Lohnarbeitern … (Manager, … Arbeitsaufseher …). Die Arbeit der Oberaufsicht befestigt sich zu ihrer ausschließlichen Funktion.
    K. Marx, Kapital I, MEW 23, 351.

    Indem … aber der bloße Manager, der das Kapital unter keinerlei Titel besitzt, weder leihweise noch sonst wie, alle realen Funktionen versieht, die dem fungierenden Kapitalisten als solchem zukommen, bleibt nur der Funktionär und verschwindet der Kapitalist als überflüssige Person aus dem Produktionsprozess.
    K. Marx, Kapital III, MEW 25, 401.

  9. 9 yxcv 21. Oktober 2008 um 11:28 Uhr

    Unsinn, es geht darum, dass entweder a) Gesetzseverstöße vorlagen; sowohl in den USA wie in Deutschland wird gegen diverse Manager ermittelt (und wenn die dann im Knast landen, ist das doch wohl OK), oder b) die aktuelle Gesetzeslage es den Managern erlaubte, in einer Weise zu agieren, die bei gewöhnlichen Menschen vom Staat bzw. ihrem Arbeitgeber geahndet würde.

    Wenn Oskar Lafontaine sowohl von der Bild wie vom Spiegel, sowohl von der Münte-SPD wie von euch Linskradikalen hier angegriffen wird, kann er nicht so falsch liegen.

  10. 10 Klaus Last 21. Oktober 2008 um 14:38 Uhr

    Laura:
    Dass ich nicht vom Manager einer Würstchenbude sprach, dürfte dir klar sein. Ich will da auch keinen haargenauen Trennstrich zwischen dem Manager (das müsste man tatsächlich genauer definieren) und dem Proleten ziehen. Dass aber die Finanzjongleure die hier gemeint sind weder auf der Eigentumsebene normale Lohnarbeiter sind (werden), noch auf der Ebene der Funktion, das dürfte dir auch klar sein. Du wiederholst da einfach nochmals, was ich bereits gesagt hatte. Ich kann da ürigens auch keine chirurgisch präzise Linie ziehen. Aber wenn man einfach alles unter «Prolet» subsumiert, wird man daraus auch keinen Meter schlauer.

    yxcv aka qwer:
    Klar, Lafo macht einiges «richtig», sonst hätte er ja nicht die Popularität bei all jenen die sich für den Erhalt deutscher(!) Arbeitsplätze einsetzen. Mir ist es übrigens ganz gleich, wer wann wo gegen das Gesetz verstossen hat. Ich klaue selber wenn möglich und wäre auch einem Banküberfall keineswegs abgeneigt, wenn sich denn das Risiko abschätzen liesse. Wenn der Staat da schon so durchgreift, dann dürftest du wohl auch kein Problem damit haben, wenn er all die illegalen Immigranten rauswirft, die hier mit den Leute um ihren Lebensunterhalt konkurrieren. Die verstossen schliesslich auch gegen das Gesetz.

  11. 11 narodnik 21. Oktober 2008 um 16:47 Uhr

    Dieser Abschnitt bei Marx ist doch auch der in der von der Aufhebung des Privateigentums auf seinem eigenen Boden (qua Aktienkapital) die Rede ist oder? Das ist natürlich nur metaphorisch der Fall als neue Qualität der kapitalistischen Vergesellschaftung selbst. Es ist auch eventuell auch anzumerken daß Lohn und Gehalt (im Falle der Angestellten) unbedingt zu unterscheiden sind. Die gesellschaftliche Tendenz des Verschwindens (auf der phänomenologischen Ebene) eines klaren Antagonismus der Klassen schafft noch nicht das Kapital und die Verfügungsgewalt darüber ab. Kapitalismus geht eben auch ohne Bourgoisie; ohne Arbeiter aber nicht. Dass ist besonders interessant in Hinsicht auf den Realsozialismus!

  12. 12 DgA 21. Oktober 2008 um 17:32 Uhr

    Dass ist besonders interessant in Hinsicht auf den Realsozialismus!

    Hegel-Trottel: Das (mit einem s) ist nicht für den Realsoz interessant, weil es dort keinen Kapitalismus gab, denn dort wurde nicht aus Geld mehr Geld gemacht seitens der soz. Herrschaft. Sowas hatte die gar nicht im Blick.

  13. 13 Savo Vasic 21. Oktober 2008 um 18:22 Uhr

    „weil es dort keinen Kapitalismus gab“

    Lohnarbeit, Markt, kein Kapitalismus?

  14. 14 narodnik 21. Oktober 2008 um 18:22 Uhr

    @ DgA (Die gearschte Autorität)

    In der SU hat der Staat, respektive die Partei, die Kapitalakkumulation als allgemeiner Generalunternehmer organisiert. Die gewollte Isolation vom Weltmarkt, die terroristische Industrialisierung der NÖP kennzeichnen die Sowjetunion (und den gesamten realsozialistischen Appendix) als nachholende Modernisierung an der Peripherie des Weltmarkts.
    Und die verkürzte Kritik des Sowjetmarxismus ist einfach mal ein Fehler sondergleichen der darin besteht das kapitalistische System nur in der freien Marktwirtschaft gelten zu lassen begrifflich. In der SU wurden Wert, Ware und Geld nie abgeschafft – vielmehr wurde versucht diese Basiskategorien zur Grundlage eines allgemeinen Plans, des volonte generale der kommunistischen Parteizentrale zu machen. Da hieß es dann eben genauso Produktivität um der Produktivität willen wie im böhsen Westen.

    Und lustig ist es immer wieder wie die ach so kritischen GegenStandpunkt-Deppen den opportunistischen Dorftrottel geben wenn man mal sagt wie es in der Sowjetunion wirklich gelaufen ist.

  15. 15 lahmacun aka Laura 21. Oktober 2008 um 18:48 Uhr

    lustig, lustig.

    Kurzer notwendiger Rückblick auf die „klassische“ Lebenslüge des realen Sozialismus

    Habe den Beitrag auf den Link gekürzt. Klaus Last.

  16. 16 lahmacun aka Laura 21. Oktober 2008 um 19:32 Uhr

    @kl:

    Ich will da auch keinen haargenauen Trennstrich zwischen dem Manager (das müsste man tatsächlich genauer definieren) und dem Proleten ziehen.[…] Ich kann da ürigens auch keine chirurgisch präzise Linie ziehen. Aber wenn man einfach alles unter «Prolet» subsumiert, wird man daraus auch keinen Meter schlauer.

    gut, ich bin ne freundin der genauen definitionen. – die ich hier aber auch nicht habe. (es würde sich aber lohnen, denke ich.)

    das stapelfahrer-beispiel fand ich eben nicht passend, weil es ja wohl nicht (einzig, wenn überhaupt?) auf die höhe des lohnes ankommt, wenns um die bestimmung geht, ob jemand prolet ist oder nicht (es gibt ja durchaus lohnarbeit, wo sich was ansparen lässt, auf dass dann ein kleines unternehmen gegründet werde, das dann wachse). wie auch immer.

  17. 17 MPunkt 21. Oktober 2008 um 20:09 Uhr

    @ narodnik: „Interessant“ ist es doch eher, dass Linke wie Du es nicht auf die Reihe bekommen, den Realsozialismus zu kritisieren, weswegen sie ihn als (Staats-)Kapitalismus beschimpfen müssen, statt sich mal zu fragen, was deren Gegnerschaft zum Kapitalismus ausgemacht hat. Der Witz bei denen war halt, dass sie in alles im Kapitalismus ein Ideal hinein gelegt haben und dieses dann gegen den Kapitalismus hochgehalten haben, weil das in ihm nicht (mehr) verwirklicht werden könne (darin der Wertkritik übrigens gar nicht so unähnlich). Die Wirtschaft soll wirklich jedem einen Arbeitsplatz geben, die Produktion soll wirklich auf dem technisch neuesten Stand sein, die Arbeit soll wirklich das Lebensmittel sein, die Arbeiter sollen wirklich als die Schöpfer aller Werte Anerkennung erfahren, das Wertgesetz soll wirklich Bedarf und Produktion vermitteln etc. pp. Der Umsetzung dieser Ideale würde der Kapitalismus aber gerade im Wege stehen, weil es in ihm um die Profitrechnungen der Kapitalisten (zumal der Monopolisten) geht, die sie in Konkurrenz zueinander betreiben. Weshalb sie eben nicht nur die Kapitalisten aus der Welt schaffen wollten, sondern auch die Gewinnrechnung, den Profit als Zweck der Produktion.

    Von daher ist es absurd, zu behaupten, die hätten dort einen Kapitalismus betrieben, wenn sie die Ideale, welche ja nur an den Kapitalismus herangetragene waren, gegen ihn zu verwirklichen zu versucht haben. Dass es dort bspw. weiter eine Arbeiterklasse gab, lag eben nicht daran, dass dort Kapitalismus gewesen wäre, sondern gerade daran, dass sie die besser (alle beschäftigen, den modernsten Stand der Technik nutzen, durch Anerkennung als Produktivkraft des Arbeiterstaates die stärker zur Arbeit motivieren, krisenfrei, …) als Produktivkraft nutzen wollten, als der Kapitalismus. Klar war das für die Arbeiter dort schädlich – weswegen ich nun auch kein Fan des Realsozialismus bin, aber korrekt kritisieren sollte man den trotzdem schon.

  18. 18 narodnik 21. Oktober 2008 um 20:18 Uhr

    @ lahmacun

    Der Manager hat als Angestellter die reale Verfügungsgewalt über’s Kapital. Er hat das operative Kommando über seine Unternehmung inne. Und wenn ein Lohnarbeiter ein ehemaliger Lohnarbeiter wird, indem er ein Kleinunternehmen gründet, dann ist er eben kein Lohnarbeiter mehr sondern ein Kleinkapitalist.

    Beim Manager kommt es darauf an, dass er bestimmt wann, wo und wie für das Unternehmen gearbeitet wird. Der Lohnarbeiter verfügt nicht über die Produktionsmittel. Gleichzeitig ist aber der moderne Manager nicht identisch mit dem Privateigentümer. Er ist aber auch kein Lohnarbeiter im traditionellen Sinne, sondern müsste vielmehr als Angestellter verstanden werden der nicht – wie oben erwähnt – vom Monatslohn lebt, und nicht unmittelbar der Proletarisierung ausgeliefert ist, wenn die Rendite nicht stimmig ist.

  19. 19 lahmacun aka Laura 21. Oktober 2008 um 21:02 Uhr

    Und wenn ein Lohnarbeiter ein ehemaliger Lohnarbeiter wird, indem er ein Kleinunternehmen gründet, dann ist er eben kein Lohnarbeiter mehr sondern ein Kleinkapitalist.

    da wär‘ ich glatt nie von selber drauf gekommen!

  20. 20 narodnik 21. Oktober 2008 um 21:21 Uhr

    Dann merke dir dies zu deinem Glücke ;-)

  21. 21 narodnik 21. Oktober 2008 um 21:35 Uhr

    @ MPunkt

    Mmmhhh. Also da haben die nen Zarenstaat zum Arbeiterstaat gemacht, die Bourgoisie rausgeworfen und die Warenproduktion in die Hand einer Partei gelegt. Das Wertgesetz wurde zum sozialistischen Hebel, das Privateigentum wurde Staatseigentum (na, fällt euch was auf?). Der freie Markt wurde durch ein planerisches Kommando substituiert.

    Und bis hierhin geht der Karl Held in seinem Text auch mit. Den Konnex von westlichem Privatkapitalismus und nachholender Modernisierung an der Peripherie will aber auch er nicht erkennen. Nur weil der Markt nicht existiert und der Zweck der Produktion nicht die Mehrwertschöpfung des Einzelunternehmers ist, ist es noch lange nicht eine antikapitalistische Produktionsweise die wir da betrachten. Die Kapitalakkumulation geht im Realsozialismus unmittelbar in die Hand des Staates; er investiert den Mehrwert doch hinterher (fürs Militär und die Aufrüstung der Fabriken).

    Und um mal LENIN zu zitieren:

    »Der russische Mensch ist ein schlechter Arbeiter im Vergleich mit den fortgeschrittenen Nationen […] Arbeiten lernen – diese Aufgabe muß die Sowjetmacht dem Volk in ihrem ganzen Umfang stel-
    len. Das letzte Wort des Kapitalismus in dieser Hinsicht, das Taylorsystem, vereinigt in sich – wie alle Fortschritte des Kapitalismus – die raffinierte Bestialität der bürgerlichen Ausbeutung und eine Reihe wertvollster wissenschaftlicher Errungenschaften in der Analyse der mechanischen Bewe-
    gungen bei der Arbeit, der Ausschaltung überflüssiger und ungeschickter Bewegungen, der Ausarbeitung der richtigsten Arbeitsmethoden, der Einführung der besten Systeme der Rechnungs-
    führung und Kontrolle usw. Die Sowjetrepublik muß um jeden Preis alles Wertvolle übernehmen, was Wissenschaft und Technik auf diesem Gebiet errungen haben. Die Realisierbarkeit des Sozia-
    lismus hängt ab eben von unseren Erfolgen bei der Verbindung der Sowjetmacht und der sowjetischen Verwaltungsorganisation mit dem neuesten Fortschritt des Kapitalismus. Man muß in Rußland das Studium des Taylorsystems, die Unterweisung darin, seine systematische Erprobung und Auswertung in Angriff nehmen

  22. 22 lahmacun aka Laura 21. Oktober 2008 um 23:43 Uhr

    Habe den Beitrag auf den Link gekürzt. Klaus Last.

    super. so kann diesen abschnitt nämlich niemand lesen. weil der ja nicht online verfügbar ist.

    narodnik, lies den abschnitt doch noch
    mal im internen fz-forum.

  23. 23 Klaus Last 22. Oktober 2008 um 1:15 Uhr

    Oha. Sorry. In Eile und Übereifer gemacht.
    Wenn du das Teil nochmals reinstellst, editier ichs wieder rein!

  24. 24 MPunkt 22. Oktober 2008 um 5:54 Uhr

    @ narodnik: Und wo bitte liest Du da bei Lenin Kapitalismus heraus? Der sagt da doch auch „bloß“, dass der Taylorismus eigentlich eine prima Sache wäre (Erhöhung der Produktivität & Disziplinierung der Arbeiter -> Formung zu so richtigen Arbeitern), die aber kapitalistische verdorben wird, weil sie zur Ausbeutung zwecks Profitmacherei genutzt wird. Weswegen man zwar die Methode, aber eben getrennt vom Kapitalismus nutzen solle.

    Darauf, dass das Kapitalismus sein soll, kommst Du doch bloß, weil Du a priori Entwicklungsdiktatur mit konkurrenzfähigen Kapitalismus* als Zweck unterstellst, weshalb Dir dann jede Industrialisierung der Beleg ist, dass die bloß nen konkurrenzfähigen Kapitalismus wollten. Von deren – verkehrten – Gründen, gegen den Kapitalismus zu sein, abstrahierst Du dabei völlig, weil die in das kurzsche Bedienen des Antikommunismus‘ – SU pfui böse! –, um diesen dann moralisch gegen den Kapitalismus zu wenden – SU pfui böse zeigt ja wohl, wie böse der Kapitalismus ist! – nicht hinein passen.

    * Wo die doch gerade Konkurrenzfähigkeit und -überlegenheit ohne und gegen den Kapitalismus herstellen wollten, bspw. durch planmäßige Anwendung des Wertgesetzes, statt dieses einfach wild wirken zu lassen.

  25. 25 Klaus Last 22. Oktober 2008 um 13:59 Uhr

    Ihr redet meines Erachtens aneinander vorbei. Es wäre doch erstmal zu definieren, was ihr unter Kapitalismus überhaupt versteht bzw. welche Kategorien aufzuheben wären um von einer nicht-kapitalistischen Gesellschaft sprechen zu können. Bei Narodnik geht es ganz offensichtlich um die Kategorie des Werts und um die Frage ob eine Überführung des Privateigentums in Eigentum des Staates die zentrale Frage ist. MPunkt hingegen scheint bei der Abwesenheit eines offiziellen Marktes bereits nicht mehr von Kapitalismus sprechen zu wollen.

    Die Definition der SU als Staatskapitalismus ist übrigens keine Besonderheit der Wertkritik wie das MPunkt hier unterstellt. Diese Betrachtung hat eine Tradition: Einerseits haben die Rätekommunisten die SU bereits relativ früh als bürgerliche Revolution ohne Bourgeoise definiert. http://www.infopartisan.net/archive/brendel/kritlen.html
    Im Trotzkismus gibt es mit Tony Cliff eine Strömung die die Theorie des Staatskapitalismus hochhalten und auch heute gibt es linkskommunistische Gruppen die konsequent von Staatskapitalismus sprechen (bspw. IKS oder meines Wissens auch IBRP).

    Wollte man die Frage ernsthaft Klären, dann müsste man von der Herunterbetung von Standartsätzen wegkommen und sich mal die „Epochen“ der SU von NÖP über die Fünf-Jahres-Pläne bis zur „nachstalinistischen“ Phase mal anschauen. Da lässt sich dann auch nicht einfach über alles ein Raster legen (da liegst du eben auch falsch, MPunkt: die NÖP war nichts als komuner Kapitalismus mit verstaatlichten Grossbetrieben unter Kontrolle einer zentralen Instanz). da müsste man sich dann auch die Kontroversen in der Bolschweiki mal anschauen. Zum Beispiel, dass Lenin selbst davon sprach, dass erstmal Staatskapitalismus angesagt sei oder dass die Auseinadnersetzung sowohl über NÖP als auch über den „Sozialismus in einem Lande“ genau diese Fragen berührt: Nämlich ob und wie die Marktmechanismen durch direkten Zwang ersetzt werden können/sollen. Und wieweit der Aufbau des Sozialismus als Konkurrenzmodell zum Kapitalismus überhaupt möglich ist.

  26. 26 ppp 22. Oktober 2008 um 15:47 Uhr

    Au ja, wenn der Sozialismus kommt, leben wir alle wie der Ackermann.

  27. 27 MPunkt 22. Oktober 2008 um 15:47 Uhr

    1.) Ich muss ja nix über Linksrucksche Staatskapitalismustheorien schreiben, wenn weit und breit kein Linksrucki an der Diskussion beteiligt ist. Zumal das ja nix ändert, wenn auch andere als die Wertkritiker diesen Begriff gebrauchen, als würde der dadurch richtiger.

    2.) War mein Argument nicht die Abwesenheit eines Marktes, sondern, dass nicht produziert wurde, um aus Geld mehr Geld zu machen, was m.E. tatsächlich der Kernpunkt des Kapitalismus‘ ist: das Geld somit als Kapital wirken zu lassen. Vielmehr ging es im Realsozialismus um die Gebrauchswerte und das Geld sollte allenfalls als Hebel und Anreiz dienen, dass die hergestellt werden. Also wieder so ein Fall davon, dass die einer kapitalistischen Sache einen eigentlich guten, aber kapitalistisch verdorbenen, Zweck zugeschrieben haben, der gegen den Kapitalismus verwirklicht werden sollte.

    3.) Wenn man den Realsozialismus kapieren will, muss man eben Lenin erst mal darin zur Kenntnis nehmen, was der für eine Kritik am Kapitalismus hatte. Daran erfährt man nämlich ungefiltert von Notmaßnahmen zur Rettung der SU, was der ob seiner Kritik am Kapitalismus anders machen wollte als der (und was nicht). Und da bin ich nach wie vor der Ansicht, das Programm des Realsozialismus sehr treffend charakterisiert zu haben.

    4.) Die NÖP war so eine Notmaßnahme und das hat Lenin meines Wissens auch ganz klar so gesagt. Von so einer notgedrungenen Abweichung vom eigentlichen Vorhaben auf Staatskapitalismus als Zweck und eine Entwicklungsdiktatur, um für den Weltmarkt konkurrenzfähig zu sein, zu schließen, geht doch völlig an der Sache vorbei. Die SU hat doch später, schon wieder so eine Notmaßnahme, darunter geächzt, für den Weltmarkt (klar, noch unter ihr aufgemachten feindlichen Bedingungen) produzieren zu müssen, um an die Devisen für den Weltmarktkram zu kommen, den sie zusammen mit den Ostblockstaaten (und einigen Verbündeten) nicht selbst an Gebrauchswerten herstellen konnte.

  28. 28 Klaus Last 22. Oktober 2008 um 16:48 Uhr

    1.) Der Hinweis zielte auf zweierlei: Zum einen klang dein Beitrag so, als sei die Charakterisierung der SU als staatskapitalistisch eine Spezifik des „kurzschen Antikommunismus“, andererseits präsentiert die Wertkritik alte Geschichte auch gerne als den neusten selbstproduzierten Shit. Das wollte ich beides in Abrede stellen.

    2.) Ein Missverständnis meinerseits. Da könnte ja nun Narodnik ansetzen und erklären, warum das gerade nicht der Kern des Kapitalismus ist. Ich würde da übrigens auch einwenden, dass a) die SU auf dem internationalen Markt stand und so als (sagen wir mal) materieller Gesamtkapitalist zwingend in den Besitz von Kapital kommen musste und b) es eben fraglich ist, ob die Formel G – W – G‘ blosss so funktionieren kann, wie du das unterstellst, oder ob eine staatlich organisierte Akkumulation (wenn auch eine nachholende) nicht denselben Prozess zur Folge hat. Das Geld ist schliesslich bloss Ausdruck eines gesellschaftlichen Verhältnisses und nicht das Verhältnis selbst. Sprich: Das Wertgesetz war in der SU keineswegs aufgehoben, sondern wurde „sozialistisch angewandt“.

    3.) Lenin wollte tatsächlich eine kommunistische Gesellschaft; sprich: eine freie Assoziation der Produzenten. Du machst da einen Kardinalfehler, wenn du die proklamierten Zwecke von den Mitteln fein säuberlich abtrennst. Wir beurteilen hier schliesslich nicht, was in Lenins Kopf umher schwirrte (da wären dann noch allerhand Fraktionskämpfe zu berücksichtigen), sondern darüber welchen Akkumulationsmodus die SU betrieb und wie der historische Verlauf ihres Aufstiegs und Unterganngs war*. Würdest du tatsächlich den „Endzweck“ von Lenin beurteilen, dann müsstest du zum schluss gelangen, dass der Mann tatsächlich den Kommunismus wollte. Wenn du allerdings den Verlauf seiner Publikationen anschaust, dann ist eine Verschiebung hin zur Legitimation des sowjetischen Staates zu sehen. Das ist halt darauf zurückzuführen, dass die SU als taugliches Mittel für die weltweite Revolution betrachtet wurde und dass diesem Mittel dann auch allerhand Sachen geopfert wurde (unter anderem der Anspruch auf die freie Assoziation der Räte).

    * An der Stelle interessant: Lenin starb ja vor dem Ende der NÖP und wenn du von Hebeln sprichst, dann meinst du doch die „bewusste Anwendung des Wertsetzes“ unter Stalin.

    4.) Das ist das selbe Problem: Du reisst da die Ideen und die Handlunge auseinander und glaubst mit dem Ideal die tatsächlichen Verhältnisse in der SU zu kritisieren. Wir reden hier nicht über proklamierte Zwecke nach denen die Welt zu ordnen ist, sondern über die tatsächlichen Verhältnisse in der SU und nochmals: Wenn du die SU zu Zeiten Lenins beurteilen willst (und das willst du, wenn du seine Kritik als zentralen Ausgangspunkt nimmst; sonst musst du die verschiedenen Interpretationen – die dann Stalin zum ML kanonisiert hat – unter die Lupe nehmen) dann bleibn dir nur „Kriegskommunismus“ und NÖP als reale Zustände. Sonst reden wird über die Zeit der Fünfjahrespläne wo offen über die Abpressung des Mehrwerts(!) der Bauern für die Entwicklung der Schwerindustrie gesprochen wurde.

  29. 29 narodnik 22. Oktober 2008 um 19:22 Uhr

    MPunkt,

    in der SU ist der Mehrwert direkt vom Staat investiv verwendet worden; und das geplant im Gegensatz zur anarchischen Befehlsgewalt des freien Marktes. Und nochmals: das gesamte Inventar kapitalistischer Vergesellschaftung hat es weiterhin gegeben; angefangen beim der abstrakten Arbeit bis hin zum Geld. Die Tatsache dass es in der DDR nen‘ Marx-Geldschein gegeben hat ist doch schon auffällig. Und auch die ganze Fabrikscheiße ist doch als Organisationsform der Produktion nicht zu trennen vom Kapital. Die Rede von der guten technologischen Errungenschaft des Taylor-Systems ist doch nur noch ideologisch.

    Und diese Kritik am Realsozialismus hat der Kurz nicht 1989 entdeckt; die gab es schon vorher beim Krahl, beim Dutschke und bei den Rätekommunisten in den 1920ern. Und ein Wertkritiker bin ich nicht wirklich – denn die scheren sich nicht um die Klassengesellschaft.

    Letztlich ist die MG-Position (auch in den Achtzigern gerade) nur noch opportunistisch und hemdsärmelig bis zum Gehtnichtmehr.

  30. 30 MPunkt 23. Oktober 2008 um 8:08 Uhr

    Narodnik, langsam wird es nervig. Ich erkläre, warum es in der SU sowohl Geld als auch abstrakte Arbeit gab und warum das dennoch kein (Staats-)Kapitalismus war und Du sagst nur immer wieder, dass es das gab, ohne auf meine Erklärungen überhaupt einzugehen. Als läge auf dieser billigen empirischen Ebene unsere Differenz. Ähnliches gilt auch für Dich, Klaus Last: es bringt rein gar nix zur Klärung der Frage, ob die SU Staatskapitalismus war oder nicht, wenn man an der Empirie klebend sich nur stupide die jeweilig praktizierte Ökonomie anschaut, ohne sich über das Studium der inhaltlichen Texte einen Begriff davon zu machen, welchen Zweck diese diente, warum welches Mittel angewendet wurde, was nur als von ihm abweichende Notmaßnahme und was tatsächlich als dem eigenen Inhalt entsprechend praktiziert wurde etc.

    Und das ist gerade in der Diskussion mit einem narodnik noch entscheidender als ohnehin schon, weil der ja mit „Entwicklungsdiktatur“ ganz klar einen Zweck des „Staatskapitalismus‘“ genannt zu haben meint, nämlich mit einer Planwirtschaft die Industrie so weit hochzupushen, dass die auf Weltmarktniveau kommt, um sie dann zu privatisieren und auf dem Weltmarkt bestehen zu lassen. Da sagst sogar Du, dass das nicht stimmt, sondern Kommunismus der Zweck war. Stimmt auch, aber um zu wissen, was die überhaupt für einen Kommunismus wollten, muss man halt auch wieder schauen, was deren inhaltlicher Gegensatz zum Kapitalismus war, was die also ändern wollten und was nicht.

    Und ein Letztes noch, narodnik: Gegenüber wem soll die MG-Position denn bitte opportunistisch gewesen sein? Gegenüber der KPdSU, welche von der MG immer scharf inhaltlich kritisiert wurde? Gegenüber einer antikommunistischen Öffentlichkeit im freien Westen, der sie eben kein kullaeskes „Nein nein, das ist nicht der Kommunismus“ (sondern möglichst noch böser Kapitalismus, also wendet Euren Antikommunismus doch auch mal bitte gegen diesen) entgegenhielt? Sag mal an! Zumal „opportunistisch“ noch überhaupt keinen Fehler in der Sache nachweist. Das wäre erstmal zu leisten – Opportunismus taugt dann allenfalls als Erklärung für den Fehler, als ein ihn verursachendes interessiertes Denken, welches es sich mit irgendwem nicht verderben will.

  31. 31 bigmouth 23. Oktober 2008 um 11:39 Uhr

    mpunkt, du liest aber auch nur mässig. klaus hat doch gerade kritisiert, dass du (seiner meinung nach idealistisch) eine sache dir nur an hand ihrer zwecke betrachtest, statt sich „die jeweilig praktizierte Ökonomie“ anzuschauen. geh‘ darauf doch mal ein, statt dein mantra zu widerholen. erklär‘ doch mal, warum der zweck einer sache entscheidender ist als ihre umsetzung, und sie bestimmt. das ist doch eifnach nur eine fragwürdige setzung

    wobei, eigentlich ist das überflüssig. ich denke, dass ihr hier um kaisers bart streitet. wie man die SU-ökonomie nun nennt, ob da 5 von 9 kriterien für „kapitalismus“ erfüllt waren oder 7 v 12, ist doch ziemlich egal. wenn man geklärt hat, wie die funktioniert hat (oder eben auch mal nicht), weiß man jedenfalls mehr als irgendwelche vokabularstreitigkeiten.

  32. 32 Klaus Last 23. Oktober 2008 um 18:09 Uhr

    MPunkt: Ob du es «stupide» findest, wenn man die konkrete Ökonomie einer Gesellschaft anschaut, wenn man eben jene charakterisieren will, das interessiert mich nicht. Wenn du implizit behauptest, dass ich keine Originaltexte von Lenin gelesen hätte, dann ist mir das auch schnuppe. Es trägt beides kein bisschen zur Klärung unseres Disputes bei. Du repetierst tatsächlich nur das, was du am Anfang schon zum Besten gegeben hast und glaubst oder tust zumindest so, als ob man so eine Frage klären könnte. Du legst halt da tatsächlich eine äusserst eigenartige, aber sehr typische Maske über einen historischen Gegenstand: Du beurteilst seinen Verlauf und seine Struktur einzig nach dem, was sein Führungspersonal sich so zusammendachte. Dabei abstrahierst du komplett davon, dass sich ausserhalb der Zwecke seines Staatspersonals eine Gesellschaft konstituiert die sich durch die PRAXIS ihrer Gesellschaftsmitglieder auszeichnet (die auch wechseln können) UND das die Führungsriege auch aus Mangel an richtiger Einschätzung falsche Direktiven und Massnahmen in die Welt setzt, die ihrem Zweck objektiv widersprechen. (Hier müsste man dann auch mal schauen, wann da der Übergang vom Hort der Weltrevolution zum «Vaterland der Werktätigen» offiziell gemacht wurde).

    Ich bin weit entfernt das Label «Staatskapitalismus» als eine historische Epoche zu begreifen (wie dies einige marx. Strömungen machen) und es auf den New Deal, den Faschismus und die SU gleichsam anzuwenden. Ich denke aber, dass die ARgumente zb. der Rätekommunisten zumindest auf die SU bezogen einigermassen plausibel sind. Aber Bigmouth hat da halt schon recht, dass man statt des Labels (ich hatte das Anfangs auch erwähnt, dass du und Narodnik doch mal rausrücken sollen, was für euch überhaupt den Kern des Kaptialismus ausmacht: du hast das ja erklärt) mal den konkreten Inhalt der Ökonomie der SU bestimmt, welcher sich in Phasen unterteilen lässt. Diese handfesten Phasen bezeichnest du dann halt einfach als «Abweichungen», wenn sie dir nicht so richtig in den Endzweck der jeweiligen Köpfe passen wollen. Damit bestimmst du aber nicht den Inhalt der Gesellschaft/Ökonomie, sondern ausschliesslich den Inhalt des Geschriebenen Wortes.

  33. 33 MPunkt 24. Oktober 2008 um 3:21 Uhr

    Ich hatte doch das Argument gesagt, warum das mit narodnik ein Streit über den Zweck des Realsozialismus‘ ist. Du hast da schlicht ein anderes Interesse (unterstelle ich zumindest), nämlich Arbeiter- und Produktionssoziologie auch mal bei der SU durchzuführen. Ähnliches auch an bigmouth: Sogar schon wenn man x von y kapitalistischen Merkmalen feststellen will, braucht man einen Begriff des Kapitalismus. Damit es nicht bei dieser stupiden Feststellung bleibt, muss man sich aber einen Begriff davon machen, wie und warum die vorkamen und dazu muss man zuvorderst mal wissen, was für eine Kapitalismuskritik die hatten, also was die überhaupt anders machen wollten und was nicht. Und dann weiß man auch, dass Staatskapitalismus da eben nicht passt, weil deren Kapitalismuskritik nicht war, dass die Profitmacherei von Privaten statt vom Staat betrieben wird.

  34. 34 Klaus Last 24. Oktober 2008 um 13:31 Uhr

    Klar, MPunkt. Damit wären die «Argumente» einmal mehr ausgetauscht, was? Natürlich will ich bloss eine «Produktionssoziologie» durchführen – mal wieder(!) – womit nicht nur gesagt wäre, dass ich ein bescheuerter Soziologe bin, sondern auch, dass ich nur und ausschliesslich das bin. Damit ist dann klargestellt, dass ausserhalb deiner Ordnung der Welt nach Zwecken bloss bürgerliche Denker rumlaufen. Ordnung hergestellt! Hast du gut gemacht! Dass du über den konkreten Inhalt der sowjetischen Gesellschaft nichts aussagst (sondern nur und ausschliesslich darüber was Lenin sich als Zwecke setzt), das spielt für dich dann auch keine Rolle. Sag mal: Beurteilst du den Kapitalismus eigentlich auch danach, was Adam Smith oder David Ricardo so vor sich hingedacht und welche Zwecke sie aufgestellt haben, oder schaust du dir die realen Strukturen und die Härten für die Insassen der jeweiligen bürgerlichen Nationen an? Oder glaubst du am Ende gar, dass die Sowjetunion tatsächlich ausschliesslich nach dem Willen von Lenin strukturiert worden wäre, dass also sowas wie Widersprüche gar nicht aufgetreten sind?

    Übrigens: Ich hatte doch das Argument gesagt, warum unser Streit ein Streit über die reale Struktur der SU ist. Du hast da schlicht ein anderes Interesse (unterstelle ich zumindest), nämlich die Ordnung der Welt nach Zwecken auch mal bei der SU durchzuführen.

    Fällt dir was auf?

  1. 1 MPunkt Trackback am 23. Oktober 2008 um 11:39 Uhr
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