Henryk, der Allerletzte

Eigentlich wollte ich zum notorischen Henryk Broder nichts mehr schreiben. Da lässt jemand auf meinem Küchentisch die aktuelle Weltwoche liegen. Und da drin schreibt der Broder seine Kolumne, wenn er nicht grad bei Rechtsauslegern der SVP Vorträge über die «Islamisierung Europas» hält. Wahrscheinlich meinem Masochismus geschuldet, les ich mich quer durch Artikel in denen Neurologieprofessoren erklären, warum Männer Frauen an der Börse überlegen sind oder in denen sich «islamische Parallelgesellschaften» zu wahren Paralleluniversen inklusive Todesstern und schwarzen Löchern auswachsen. Und da stolpere ich über Broders Kolumne. Der Mann beschwert sich über die «Feminisierung der Gesellschaft»:

«Kaum ein Mann, der nicht gepierct wäre, keine Drogerie oder Parfümerie, die nicht Produkte für den Mann anbieten würde. Die Cafés sind voll mit parlierenden Männern, die offenbar weder einer geregelten Arbeit nachgehen noch eine Familie ernähren müssen. Aber das sind nur Äusserlichkeiten. Inzwischen leiden Männer unter Wechseljahren, und wenn sie ganz unter sich sind, reden sie nicht über Fussball und Formel 1, sondern darüber, wie benachteiligt sie sich fühlen, weil ihnen die Erfahrung der Schwangerschaft untersagt bleibt.»

Kurz gesagt: Broder wünscht sich einen schlecht rasierten Stachanow im Dress der amerikanischen Nationalmannschaft. Zum Glück ist die Welt nicht, wie Broder sie sich ausmalt. Schuld daran, das will er auch noch gesagt haben, ist die Veränderung der deutschen Struktur durch das «Binnen-I». Ja, das schreibt der Mann da ernsthaft. So weit, so bescheuert. Die Pointe folgt aber erst:

«Die klammheimlichen und auch offenen Sympathien für die Politik Russlands und des Irans gegenüber dem dekadenten Westen lassen sich auch damit erklären, dass diese Länder von Politikern regiert werden, die nicht im Verdacht stehen, jemals ihre Kinder gewickelt oder mit ihren Frauen Schwangerschaftskurse besucht zu haben. So verschieden Achmadinedschad und Putin auch sind, an ihrer aggressiven Männlichkeit sollte besser nicht gezweifelt werden.»

Da lümmeln sich diese halbschwulen Weichlinge in den Polstersessel der Caféterias Europas und träumen heimlich oder weniger heimlich von Putin und Achmadinedschad. Was wohl Freud über diese Projektionsleistung zu sagen gehabt hätte? Egal. Da dieses Träumen und Parlieren natürlich nicht lange gut gehen kann, warnt Broder vor den Konsequenzen.:

«Sie [die Nationen des Westens] verhielten sich wie geschlagene Frauen, die die Schuld für das Verhalten ihrer Männer immer bei sich suchen und, statt sich zu wehren, versprechen, den Mann nie wieder zu provozieren. (…) Wenn der Islam angreift, entschuldigen wir uns, weil wir ihm nicht genug Respekt gezollt haben.»

Ich stell mir grad Berlusconi, Sarkozy und Brown vor, wie sie bei einem Latte Macchiato über die neusten Trends in der Hutmode schwätzen, während Merkel Putins Nachwuchs erklärt, dass da in Georgien jetzt mal Ruhe im Karton ist.


14 Antworten auf “Henryk, der Allerletzte”

  1. 1 bikepunk 089 10. Oktober 2008 um 13:06 Uhr

    Ich suche, aber finde nicht, den Originaltext von Broder. Weisst du wo der komplett im Netz aufzutreiben ist?
    (Ich würd gerne selber was dazu schreiben, bräuchte aber ein Tickerl mehr Material)

  2. 2 Klaus Last 10. Oktober 2008 um 13:39 Uhr

    Den gibt’s wohl nicht im Netz.
    Ist in der aktuellen Weltwoche (Nr. 41 vom 9. Oktober) zu finden.

  3. 3 bikepunk 089 10. Oktober 2008 um 14:26 Uhr

    Schade. Gerade die Teile, die du nur anreisst, wären für mich interessant. Ich fände es natürlich super, wenn du den Artikel auf einen Scanner haust und mir schickst, habe aber vollstes Verständnis dafür wenn du deine Zeit lieber mit irgendwas anderem verbringst.
    Es gab vor einigen Jahren einen Text, der versucht rauszuarbeiten inwiefern Zweigeschlchtlichkeit und die damit assoziierten Geschlechterrollen Kriegsressourcen sind, von dem was du schreibst scheint es mir so, als würde Broder die gleiche These von rechts aufstellen. Das hätte ich gerne etwas ausgeführt.

  4. 4 Klaus Last 10. Oktober 2008 um 15:00 Uhr

    Viel gibt dei Kolumne wahrscheinlich nicht her. Es wird darin aber auf ein Buch verwiesen, welches sich gründlicher damit auseinandersetzt. Mein Scanner ist futsch. Hab das aber mit ner Digicam aufgenommen (sind 3 Dateien). Wohin soll ich die denn schicken?

  5. 5 tlmnhl 11. Oktober 2008 um 13:54 Uhr

    Broder scheint seine unterirdischen Pamphlete in mehreren Zeitungen zu recyclen. Dieser Text ist jedenfalls auch in der österreichischen Kleinen Zeitung erschienen. Siehe: http://www.social-innovation.org/?p=762

  6. 6 bikepunk 089 11. Oktober 2008 um 15:58 Uhr

    Ich find den Artikel in der kleinen Zeitung nicht (dafür habe ich gelesen das Jörg Haider tot ist! Yay!).
    Die Adresse, die ich bei meinem Kommenatern angegeben ahbe stimmt, kannst du mir die Fotos dahin schicken?

  7. 7 Klaus Last 11. Oktober 2008 um 17:40 Uhr

    Sorry, aber ich finde da keine Email-Adresse.

  8. 8 Willy 13. Oktober 2008 um 9:46 Uhr

    Na, toll ist das ja nicht grade, eine Polemik mit einer anderen zu kontern.

  9. 9 Klaus Last 13. Oktober 2008 um 13:43 Uhr

    Man muss nicht jeden Dreck inhaltlich kritisieren. Das Geschwurbel von Broder entlarvt sich doch selbst.

  10. 10 bikepunk 089 13. Oktober 2008 um 17:04 Uhr

    Unter http://beobachtungen.blogsport.de/wp-admin/edit-comments.php (Verwalten -> kommentare) findest du eine auflistung aller freigeschalteten comments, incl. der e-mail adressen die die kommenattor_innen angegeben haben (sorry, aber ich bin seeehr sparsam damit meine e-mail adresse irgendwo zu posten)

  11. 11 Klaus Last 13. Oktober 2008 um 17:18 Uhr

    OK. Folgt heute Abend.

  12. 12 Klaus Last 13. Oktober 2008 um 18:28 Uhr

    Ein Verweis von Google der auf meine Seite führte, zurückverfolgt und darauf gestossen: http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/kolumnen/das_grosse_i_der_idiotie/

    Dass isser.

  13. 13 ingiltere ogrenci vizesi 03. November 2008 um 11:01 Uhr

    Warum diese Web site haben nicht andere Sprachunterstützung?

  1. 1 Kulturkampffeminismus und Gender-Becklash « Lysis Pingback am 12. Oktober 2008 um 2:43 Uhr
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