Archiv für Oktober 2008

Sodom und Davos

WEF-Gründer Klaus Schwab gesteht, dass die Finanzbosse vor allem wegen den wilden Luxuspartys nach Davos kamen.
«Die Partys haben immer mehr überhandgenommen. Es geriet ausser Kontrolle», sagte gestern Klaus Schwab (70) der US-Nachrichtenagentur Bloomberg. Die eigentliche Idee des World Economic Forums über die Herausforderungen der heutigen Zeit zu diskutieren, habe dabei an Aufmerksamkeit verloren. Der operative Wef-Chef Kevin Steinberg stellt die Banker vollends an den Pranger: «Für die Topbanker war es wichtiger, sich den grössten Partyraum zu sichern, als an Diskussionen teilzunehmen.» Und weiter: «Wir erfüllten der Finanzelite jeden Wunsch: Einzelreferate, ­Luxushotels und VIP-Behandlungen, die wir uns sonst für niemanden geleistet haben.» Schwab bereut zutiefst, nicht durchgegriffen zu haben, und verspricht für nächstes Jahr, dass in Davos neue Verhaltens­regeln für die Finanzwelt erarbeitet werden.


«Feigenblatt» Bono mit zwei Exemplaren der wohlumsorgten Weltbevölkerung

Schlimm! Statt sich über neue Vertragsabschlüsse und Krisenstrategien zu unterhalten, haben die bloss gekokst und gefickt! Statt die Ausbeutungsbedingungen zu verbessern und internationale Abkommen zur Bewältigung der Füchtlingsströme anzuleiern, bloss gesoffen und getanzt! Erschreckendes fand in diesem Zusammenhang der Co-Sekretär von Attac Schweiz heraus: «Dies zeigt, dass den Teilnehmern des Wefs das Wohl der Menschheit komplett egal ist». Das wär doch eigentlich ganz gut, wenn dem Personal des Kapitals nicht zu jedem Auf- und Widerstand die entsprechende Antwort einfallen würde. Es wäre doch zu begrüssen, wenn die Banker und Broker zu besoffen sind um darauf zu reagieren, dass ihnen der Laden um die Ohren fliegt. Und es wär doch ganz amüsant, wenn der eine oder andere mit heruntergelassenen Hosen und voller Nase auf die Schnauze fliegt. Leider aber haben die das Wohl des Kapitals sehr wohl im Kopf. Dass dazu in der Regel auch die Reproduktion der Arbeitskraftbehälter in den Metropolen gehört, dass ist das Glück von Attac-Funktionären und anderen Ideologen des humanen Kapitalismus.

Übrigens wurde endlich geklärt, was Bono, der Ober-Schwadroneur des Humanismus so in Davos getrieben hat, wenn er nicht brav Pfoten geschüttelt und debil in Kameras gegrinst hat. Sein Freund Bob Geldorf liess bereits verlauten, dass am nächsten Live Aid Konzert dafür das Doppelte eingespielt werde. Zudem sei ab sofort die Presse im Backstage-Bereich willkommen.

Eine etwas fundiertere Kritik am WEF und seinem Widerstand findet man hier.

GSP… Nuff said!

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Peter Decker? Karl Held?
Nein, schlagkräftige Argumente von Georges St.-Pierre.

Bericht aus Bankrottistan

Eigentlich hab ich mich schon auf einen geruhsamen Lebensabend auf meiner Privatinsel Island gefreut. Aus der billigen Konkursmasse scheint nun doch nichts zu werden. Björk hat sich in die Krisenbekämpfung eingeschaltet. Petur Blöndal kämpft gegen ein neues Versailles. Und die 300′000 Isländer verteidigen sich tapfer.


Hau die Krise, Björk!

Artikel:
«Unis öffnen sich für Arbeitslose, die Popsängerin Björk bringt Unternehmer und Bevölkerung an einen Tisch, und alle wehren sich dagegen, dass Großbritannien isländische Gelder mit Hilfe von Anti-Terrorgesetzen stoppt. (…) «Island muss umweltfreundliche Alternativen anbieten, um Beschäftigung zu schaffen. Wir haben viele kleine Unternehmen, die in anderen Segmenten arbeiten», so eine Mitarbeiterin von Björk. Diese würden jetzt an einen Tisch geholt, damit sie gemeinsam das Land voranbringen könnten. Zu den Treffen, die seit der zweiten Oktoberwoche stattfinden, kämen Vertreter von Hightechfirmen, Studenten und andere Bürger. Es sei jetzt besonders wichtig, allen eine Perspektive zu geben und zu verhindern, dass gut Ausgebildete das Land verlassen, sagt die Isländerin. (…) Auszuwandern würde bedeuten, vor den Problemen zu fliehen. Und das ist nicht die isländische Art.»

Wer sauer eingelegte Hammelhoden (hrútspungar) und schwarzgesengte Schafsköpfe (Svið) isst, der lässt sich doch von so einer Lappalie nicht unterkriegen.

Debatte. Recycling. Wertkritik. Bonzen.

Lysis erstellte kürzlich zu einer aktuellen Diskussion zwei interessante Artikel, deren Stossrichtung ich teile. Besonders folgender Absatz von Horkheimer scheint mir sehr treffend: «Ein feiner Trick: das System zu kritisieren soll denen vorbehalten bleiben, die an ihm interessiert sind. Die anderen, die Gelegenheit haben, es von unten kennenzulernen, werden entwaffnet durch die verächtliche Bemerkung, daß sie verärgert, rachsüchtig, neidisch sind. Sie haben «Ressentiment»». Schorsch wiederum hat darauf zwei Antworten verfasst und tritt darin mit einigen Relativierungen in etwa breit, was die Wertkritik seit Jahre breit tritt. Nicht nur werden in dieser Ideologie die konkreten Funktionsträger des Kapitals zu Charaktermasken in dem Sinne, dass sie nur noch Getriebene sind. Auch wird die Arbeiterklasse als total unter des Kapitalverhältnis subsumierte zum vollständig kapitalistisch determinierten Anhängsel. Anstelle der konkreten menschlichen Praxis tritt das Kapital als «automatisches Subjekt». Statt die Praxis als zentrale Kategorie zu erfassen und damit auch die mögliche Abschaffung theoretisch zu erkennen, tritt der Moloch Kapital als alles bestimmende und beherrschende Struktur auf. Marx sprach zwar auch von einem «automatischen Subjekt», allerdings bloss um den Prozess der Selbstverwertung des Werts zu fassen. Im Folgenden kritisiert Marx aber diese Vorstellung als ideologisch, weil auf dieser Ebene der Darstellung der Mehrwert nicht erklärt werden kann (es sei denn als Preisaufschlag). Stattdessen nimmt er den Gebrauchwert der Arbeit als Quelle von Wert in den Fokus und löst die Mär vom «automatischen Subjekt» auf in die «Verfügung über ein bestimmtes Quantum unbezahlter fremder Arbeit». Damit wird die Formel G – W – G‘ eben ausformuliert zu G – W – P – W‘ – G‘ und im Zentrum stehen nun der Produktionsprozess und damit auch die konkreten ArbeiterInnen, die an ihren Arbeitsplätzen tagtäglich das Kapital (re)produzieren. Eigentlich wollte ich aber an dieser Stelle keine in ihrer Kürze zugespitze Anmerkung zur Wertkritik schreiben, sondern bloss was zur aktuellen Debatte recyclen:


Frau küsst Hund

Eine besonders schlimme Art des Neides ist ja bekanntlich die des Sozialneides. Bürger, Antideutsche und Pfaffen sind sich darin einig, dass diese Art des Neides ohne Umweg zu Pogrom und Massenmord führen muss. Zugegeben: Man darf den Hass auf die Reichen in St. Moritz, an der Côte d‘ Azur und auf RTL Exklusiv nicht mit dem Hass auf die Zustände verwechseln. Doch darin immer gleich eine Tendenz ins Toschlagen, ins Völkische oder in den «regressiven Antikapitalismus» – welche wunderbare Wortschöpfung der organisierten politischen Verblödung – zu sehen, ist im Mindesten so falsch wie im Sozialneid a priori revolutionäre Energie zu vermuten. Allerdings, und das sei an dieser Stelle mal deutlich festgehalten, ist, in Anbetracht der eigenen permanenten Verdingung im Produktionsprozess, die Vorstellung doch sehr erquicklich, man würde an einem Banquet in St. Moritz mit einem Trupp von argen Sozialneidern auffahren, den anwesenden Damen und Herren ihr Buffet wegspeisen und ihr Mobiliar dergestalt zertrümmern, dass sie nachhaltig eingeschüchtert sind.

Der JUSO. Eine Prophylaxe (Teil 1)

Cédric ist jung. Cédric ist links. Also geht Cédric zur JUSO. Und weil Cédric schlau ist – schliesslich studiert er an einer Universität mit vielen anderen schlauen Leuten – wird er bei der JUSO Politiker. Aber nicht irgendeiner. Nein! Cédric wird ein frecher Politiker, denn er ist ja jung und links. Und darum kifft Cédric auch an einem öffentlichen Podium zur «vernünftigen Hanfpolitik», piesakt die Manager mit «kritischen Aktionen» oder spielt in der Öffentlichkeit an sich rum (Bild). JUSO halt. Politiker halt. Könnte man da sagen und ihn der Peinlichkeit überlassen. Könnte man. Sollte man vielleicht auch. Allerdings hat Robert Gernhardt einst schön auf den Punkt gebracht, was auf Cédric zutrifft: «Die schärfsten Kritiker der Elche / waren früher selber welche». Und weil Cédric ein besonders erfolgreicher JUSO-Politiker ist, welcher von sich behauptet, dass sein Denken «von den Schriften von Karl Marx und Rosa Luxemburg» geprägt sei, wird er an dieser Stelle als Exemplar der Gattung behandelt.


Cédric Wermuth (ganz rechts) «Lieber JUSO als im Pelz!»

Bevor Cédric Präsident der JUSO und (vor wenigen Tagen) Vize-Präsident der SP wurde, war er noch jünger. Bevor er also das kürzlich verabschiedete Sicherheitspapier der SP (Kurzform: Mehr Bullen, weniger Ausländer) öffentlich mitabnicken musste, war er auch noch kritischer. Damals – das war 2005 – hielt er eine Rede anlässlich des 1. Mai in Lenzburg. Darin wird vieles deutlich, was er und andere «kritische» Jugendliche an Karl Marx überhaupt nicht verstanden haben – aber nach Gernhardt dennoch in einigen Jahren als Marxismus «kritisieren» wollen.

«Die Linke und besonders auch die Sozialdemokratie von heute vergisst nämlich, dass die Idee des Klassenkampfes und der Existenz des Proletariats nicht etwa nicht mehr zeitgemäss sind, sondern sich nur verschoben haben. (…) Der grosse Graben besteht heute nicht mehr zwischen der nationalen Bourgeoisie und Arbeiterschaft, sondern zwischen, Nord und Süd, zwischen Europa und Amerika einerseits und dem Rest der Welt – mit einigen Ausnahmen – andererseits.»

Richtig einerseits, dass die kapitalistische Gesellschaft notwendig eine Klassengesellschaft bleibt. Um so falscher allerdings, dass das Klassenverhältnis sich heute auf die internationale Ebene verschoben habe. In dieser Vorstellung kommen gleich eine ganze Reihe von Missverständnissen zum Ausdruck. Die Klassenkategorie ist keineswegs eine moralische, welche zwischen besonderem Elend auf der einen und Wohlstand auf der anderen Seite unterscheidet. Da spielt es keine Rolle, dass sich heute kaum noch eine Dame aus den gehobenen Kreisen über die proletarischen Lumpen in Europa beschwert, «die teils durch ihre zerlumpte Kleidung und ihr krankes Aussehen, teils durch ekelhafte, offne Wunden und Verstümmelungen das Mitleid der Vorübergehenden auf eine häufig sehr unverschämte und molestierende Weise rege zu machen suchen». Die Klasse ist objektiv bestimmt erstmals bloss ein jeder und eine jede, die vom variablen Kapitalteil (sprich: dem Lohn) abhängig sind. Deren Leben also davon abhängt, dass sie sich immer und immer wieder im Arbeitsprozess (als Anhängsel des Akkumulationsprozesses) verdingen können, so sie denn nicht von der Führsorge abhängig werden wollen. Dass diese Kategorie in Zeiten von Aktiengesellschaften und jungsozialistischer Verwirrung an ihren Rändern diffus ist: Geschenkt.

Der Fehler der Verschiebung auf die internationale Ebene löst nicht nur die analytische Dimension des Klassenbegriffs auf, sie eröffnet eine ganz neue Perspektive auf die vermeintlichen «Klassenverhältnisse». Damit bügelt man die ökonomischen Differenzen einfach mal so ab und verschiebt den Antagonismus der Klassen, welcher auch durch jede Nation verläuft, hin zu Kollektiven, die faktisch nichts gemein haben ausser ihrer staatsbürgerlichen Einpferchung. Von diesem Standpunkt kann man dann nicht bloss den Verzicht von den verwöhnten «Westlern» fordern, sondern kriegt über Entwicklungshilfe und Entschuldungskampagnen den politischen Fokus gleich ganz von der Klasse weg. Da interessiert es dann auch gar nicht mehr, dass in der Schweiz knapp 5% sogenannter «Working Poor» leben. Und erst recht will man nicht hören, dass unqualifizierte Arbeiter, so sie denn den Wünschen des Kapitals entsprechend sich zur «Keimzelle des Staates» ergo zur Familie mit einer Proletarierin (oder umgekehrt) zusammengeschlossen haben, nach Familie und Steuern noch kaum was für Ferien oder besondere Ausgaben auf der hohen Kante haben. Das «historisch-moralische Moment» (Marx) des Lohnes verwirrt kritische Kritiker wie Cédric dermassen, dass sie nur noch Entbehrung, Zwang und Ausbeutung sehen, wo das Elend einem offensichtlich ins Gesicht schlägt.

«Menschenverachtende Arbeitsbedingungen, fehlende Mitbestimmungen, Unterdrückung, politische Repression oder krasse Verletzungen der Menschenrechte (alles Hautkritikpunkte der marxistischen Analyse) sind nicht etwa aus der Welt verbannt. Das Proletariat existiert weiterhin, hier und heute genau unter uns und auf der ganzen Welt.»

Das Proletariat existiert unter Cédric und seinen politischen Mitstreiter, das ist richtig. Dass das Problem an Lohnarbeit nicht ihre «menschenverachtende» Verfassung ist, sondern da ein kategoriales Problem vorliegt, welches mit «Lohn, Preis und Profit» zusammenhängt, das will Cédric nicht hören. Und darum verweist er auch auf «politische Repression», «fehlende Mitbestimmung» und «Verletzung der Meschenrechte». Kurz: Demokratie, Demokratie und Demokratie können diesen Zustand aufheben. Gut gemacht. An der richtigen Stelle des Gewaltzusammenhangs «Demokratie» steht der Bursche ja bereits. Auf den letzten Punkt soll hier noch kurz gesondert eingegangen werden, weil er ein besonderes Missverständnis deutlich macht:

Cédric behauptet, dass die «Verletzung der Menschenrechte» ein besonderes Augenmerk der marxschen Kritik sei. Wollen wir kurz hören, was der Kommunist Karl Marx einst dazu geschrieben hat: «Die praktische Nutzanwendung des Menschenrechtes der Freiheit ist das Menschenrecht des Privateigentums. […] Keines der sogenannten Menschenrechte geht also über den egoistischen Menschen hinaus, über den Menschen, wie er Mitglied der bürgerlichen Gesellschaft, nämlich auf sich, auf sein Privatinteresse und seine Privatwillkür zurückgezogenes und vom Gemeinwesen abgesondertes Individuum ist. Weit entfernt, daß der Mensch in ihnen als Gattungswesen aufgefaßt wurde, erscheint vielmehr das Gattungsleben selbst, die Gesellschaft, als ein den Individuen äußerlicher Rahmen, als Beschränkung ihrer ursprünglichen Selbständigkeit. Das einzige Band, das sie zusammenhält, ist die Naturnotwendigkeit, das Bedürfnis und das Privatinteresse, die Konservation ihres Eigentums und ihrer egoistischen Person» (Karl Marx; Zur Judenfrage). Marx spricht hier von den gesellschaftlichen Voraussetzungen der Menschenrechte und dies war auch «Hauptaugenmerk» seiner Kritik: Die bürgerliche Gesellschaft inklusive ihrer linken Verteidiger. Es geht um die Kritik an Zuständen, die sowas wie Menschenrechte erst erforderlich machen. Die aber auch die Vorstellung einschliessen, dass der Mensch immer bloss als abstrakt Gleicher zu behandeln sei, dass er vor dem Gesetz unbesehen seiner sozialen Situation wie alle anderen gerade zu stehen habe. Als Gleicher übrigens, der von der Gesellschaft erstmal getrennt sei (und erst über den Wert damit vermittelt wird) und als Einzelner sein Privateigentum gegen alle anderen zu verteidigen habe.

«Wie alle Rechte brauchen auch die Menschenrechte eine bewaffnete Instanz, welche ihre Durchsetzung garantieren kann und so ist es auch: Noch im hinterletzten von einer demokratischen Nation geführten Krieg geht es doch hochoffiziell um die Durchsetzung der Menschenrechte. Sei dies nun im Kosovo, in Afghanistan oder kürzlich im Irak. Die realen nationalen Interessen verschwinden hinter humanem Geraune. In der Regel decken sich die wirklichen materiellen Interessen auch mit den Menschenrechten, da der Normalmodus kapitalistischer Ausbeutung in stabilen gesellschaftlichen Verhältnissen leichter rund läuft. Und genau dies versprechen die Menschenrechte, indem sie das Recht auf Privateigentum, die Freiheit, seine Arbeitskraft zu verkaufen, die Zugehörigkeit zu einer Nation und den Rechtsstatus als solchen garantieren. So ist die Frage zwischen Diktatur und demokratischer Herrschaft eine der ökonomischen und politischen Nützlichkeit. Kurzum: Die Menschenrechte sind – faktisch allerdings nur in Form der Bürgerrechte – schlicht die Grundlage der kapitalistischen Gesellschaft.

Natürlich ist es zu unterstützen, dass niemand gefoltert oder in Sklaverei gehalten wird! Doch dass dieser menschenvernünftige Umstand in Gesetze gegossen werden muss, sagt vieles über die kapitalistische Gesellschaft aus. In einer Welt, in der die Menschen in Konkurrenz gegeneinander geworfen werden und sich Klassen objektiv unversöhnlich gegenüberstehen – unabhängig davon, ob diese an der Oberfläche wahrnehmbar sind –, braucht es eine Rechtsform und deren Garanten, damit sich die einzelnen Menschen, die Klassen und letztlich die Staaten nicht gegenseitig an die Gurgel gehen. Dass der grösste Teil der Weltbevölkerung als Teil der ausgebeuteten Klasse allen Grund hätte, dem System und seinen RepräsentantInnen an die Gurgel zu gehen, das will weder die linke Politikerin, noch der nette Sozialarbeiter hören.» (Gruppe Eiszeit)

Da die Aufmerksamkeitsspanne des gemeinen Blogkonsumenten 10′000 Zeichen nicht übersteigt, wird die Kritik in einem zweiten Teil fortgesetzt.

Die Welt als Wahn (1)

Roger Köppel ist Chefredaktor der Weltwoche.
Und er weiss: Die Krise gibt es nicht!
Die UBS ist wieder auf dem Vormarsch.

Und er kommt zu dem Ergebnis:
Nur ein Traum war das Erlebnis.
Weil, so schließt er messerscharf,
nicht sein kann, was nicht sein darf

Wart du nur dachten die Aktienkurse der UBS
und stürzten in Folge auf ein Rekordtief.

Held der Woche (4)

Dieser Mann rettet die Ehre der Manager!
Oder doch nur sich selbst?


Hans-Werner Sinn; «Meine Analogie lag doch bloss so weit daneben.»

In den letzten Wochen retten sich die überforderten Ideologieproduzenten des «freien Marktes» in allerhand Analogien. So auch der Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung an der Uni München, Hans-Werner Sinn. Dieser erklärte kürzlich die «Stockungen» an den Finanzmärkten mittels eines Vergleichs mit dem chaotischen und darum stockenden Verkehrsfluss in Indien und fragte: «Sind daran die «Manager» an den Steuerrädern schuld oder fehlende Verkehrsregeln?» Entweder, oder? Die Frage nach der grundsätzlichen Beschaffenheit des indischen Verkehrswesens mag Sinn natürlich gar nicht aufkommen lassen. Für sowas sind Analogien da: Bloss nicht die richtigen Fragen über den eigentlich zu behandelnden Gegenstand stellen. So weit, so schlau. Dummerweise aber nun griff der Mann zur Ehrrettung des Berufsstandes der Manager zu einer anderen Analogie und erklärte im Rückgriff auf die Krise nach 1929: «Damals hat es in Deutschland die Juden getroffen, heute sind es die Manager.» Nach gründlicher Recherche fand nun aber sein Mitarbeiterstab heraus, dass es in Bezug auf Manager weder Rassegesetze gibt, noch vom Bau von Konzentrationslagern zu berichten ist. Zudem hat ein Spezialist an Sinns Institut festgestellt, dass die Kategorie «Manager» in erster Linie eine ökonomische ist. Etwas peinlich berührt ob seiner derart offensichtlich mangelhaften Analogie, gab Sinn nun zu Protokoll: Die tiefe persönliche Freundschaft «mit vielen jüdischen Kollegen auf dieser Welt» habe ihn tief geprägt. Mein bester Freund ist Jude? Gut so, Herr Sinn. Dann noch eine duselige Entschuldigung nachschieben und der eigene Ruf ist halbwegs gerettet. Für künftige Krisen vielleicht folgendes Merken: Blieben sie doch einfach bei den für ihren Berufststand üblichen Lügen. «Etwas mehr Ungleichheit bei der Einkommensverteilung macht auch für die weniger gut dabei Wegkommenden letztlich einen höheren Lebensstandard, als wenn man ein egalitäres System schafft wo alle das gleiche kriegen und alle gleichermaßen arm sind». Damit ersparen sie sich allerhand Ungemach.

Motto heute Abend/Nacht/Morgen


Eine todernste Angelegenheit

Kurznachrichten

Allah nicht schuld an Finanzkrise!
Irans Ex-Präsident Akbar Haschemi Rafsandschani erklärte zum aktuellen Freitagsgebet, dass die Krise keine Strafe Allahs sei. «Es sollte nicht von Einigen gesagt werden, dass die Krise sehr gut für uns ist und dass es ein Wunder von Gott ist, um sie zu bestrafen». Als Beweis dient die Tatsache, dass die Auswirkungen der Krise über den Ölpreis auch die «Islamische Republik» Iran treffe. Gut unterrichtete Kreise aus dem Vatikan liessen verlauten, dass man noch keine eindeutigen Hinweise auf des katholischen Gottes Wege habe. Kurzfristig seien aber weder Frösche noch Heuschrecken zu erwarten. Reaktionen der Rohstoffbörse stehen noch aus.

Experten sehen Ende des Kapitalismus
Die weltweit bekannte und renommierte Wirtschaftsexpertin Desirée Nick liess in einem Interview mit welt-online verlauten: «Kapitalismus ist für mich noch nicht die bleibende Staatsform für die Ewigkeit, sondern auf lange Sicht durch Selbstvernichtung zum Scheitern verurteilt.» Die kurzfristige Panik, welche sich in Folge unter den Brokern breit machte, konnte Nicks Fachkollege Maxim Biller grossteils eindämmen: «Kapitalismus ist für mich immer noch besser als Sozialismus mit menschlichem Antlitz.» In Abklärung ist noch, ob Nick hiervon oder Biller hiervon beziehungsweise davon genascht hat.

Miss Taken deckt auf
Ein Ärgernis ist identisch mit einem anderen Ärgernis. Damit wäre eines schonmal aus der Welt geschafft. Selbiges meldet sich im Miss-Taken-Blog zu Wort: «ich bin seriöser impressum schreiber ihr dummen kids. (…) ich mag keine emo mädchen. euch auch nicht (…) furzt weiter das internet mit inhaltslosigkeit dicht.» Ich finde: Weiterhin dichtfurzen, Miss!

Finanzkrise zerreisst die Schweiz

Die Juso ist «wütend»! Sie will sich nicht «verarschen» lassen! Man solle dem «Volk das Geld zurück geben»! Denn sonst, ja sonst wird die UBS blockiert! Und zwar solange bis die «Bonzen» das Geld rausrücken. Dem Finanzplatz Schweiz drohen bürgerkriegsähnliche Zustände! (Natürlich «friedlich und gewaltfrei» wie die Juso in vorauseilendem Gehorsam versichert)


Wenn ich gross bin, werd ich Bundesrat!

Einen ersten Warnschuss haben die Jungpolitiker bereits abgeben und der UBS «Stellvertretend für die aufgebrachte Mehrheit der Schweizer Bevölkerung» ein Ultimatum gestellt. Und dieses Ultimatum liest sich geradezu wie das Programm einer revolutionären Partei:

1. Zahlen Sie umgehend alle Boni der letzten fünf Jahre zurück! Boni sind dafür da, um ausserordentliche Leistungen zu belohnen – nicht ausserordentliche Fehlleistungen.

Ohne Fleiss kein Preis! Das wussten schon die Bibel, Bebel und Lenin. Und wer nicht eine (ausser)ordentliche Leistung erbringt, der hat auch keine Boni verdient. Wo kämen wir da hin, wenn da ein jeder daherkommen und ohne Leistung Geld einstreichen könnte!

2. Beschränken Sie umgehend alle Löhne in der UBS auf maximal 500′000 Schweizer Franken! Niemand von Ihnen hat es verdient, mehr zu verdienen als ein Bundesrat.

Da verdienen doch diese Manager und Spekulanten tatsächlich mehr als die hart und im Dienste des Volkes arbeitende Exekutive des schweizer Staates. Dieses Leute-Abschieben, Militär-Restrukturieren, Gesetze-Ändern und Sozialleistungen-Kürzen ist harte Arbeit. Da können doch nicht diese durch mangelnde Leistung glänzenden Bonzen mehr verdienen. Und schliesslich will man ja auch, wenn man dann mal gross ist selber noch ein richtiger Politiker werden oder wenigstens ein administratives Pöstchen im Bundeshaus bekleiden. Einmal das links und das rechts um die Ohren (natürlich friedlich und gewaltfrei).

3. Stellen Sie umgehend alle Schmiergeldzahlungen an Parteien und Fraktionen ein! Über Jahre haben sich die Grossbanken in der Schweiz die Loyalität der bürgerlichen Parteien teuer erkauft, das ist eine elende Sauerei.

Tja, das ist natürlich ausserordentlich schlimm, wenn rauskommt, dass die UBS über Jahre Schmiergelder an die Parteien bezahlt hat. Anderenorts nennt man das Wahlkampfspenden, Verwaltungsratposten oder einfach Zuwendungen und weiss, dass die Interessen der Kapitalfraktionen sich nunmal auch ganz konkret ihren Weg suchen.

Wir geben Ihnen 48 Stunden um unsere Forderungen zu erfüllen. Sollten Sie ihnen nicht nachkommen, sehen wir uns gezwungen, zu Mitteln der friedlichen Blockade, des gewaltfreien Protest und des zivilen Ungehorsams gegen ihre Bank zu greifen.

Die Bankenwelt zittert! Der Bundesrat ist alarmiert (aber etwas geschmeichelt)! Die politische Macht – so hofft mancher insgeheim – komme für einmal nicht aus den Gewehrläufen, sondern aus den Köpfen ergo Tischbomben der Juso-Mitglieder. Toi, toi, toi! Falls alles schief geht, könnt ihr ja immer noch für eine vernünftige(!) Hanfpolitik «kämpfen»!

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