Alte Scheisse, neuer Blog

Neue (Nacht)Arbeit und neues Blog.
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Nachtwach

German Dream


Kotzen.Bomben.Disco


Der Kommunismus, eine Disco mit modischen Türstehern

Der Kommunismus, so Marx, ist «kein Ideal, wonach die Wirklichkeit sich zu richten haben wird», sondern «die wirkliche Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufhebt». Jene Bewegung ist leider bis heute ausgeblieben und so machen sich seit geraumer Zeit Stellvertreter daran, sich jenes Label anzueigenen. Label deshalb, weil es bei einigen dieser unangenehmen Zeitgenossen tatsächlich nichts weiter ist als ein Label, welches man sich zulegt wie eine Carharrt-Jacke. Zwar langweilt man sich noch in Marx-Lesegruppen und beschriftet seine Blogs mit dem Prädikat communismus. Zwar denkt man sich einen Knoten ins Hirn um die Israel-Solidarität irgendwie mit dem Kommunismus zusammenzubringen und trägt das Label voller Stolz im Gruppennamen. Viel mehr als Koksen.Kotzen.Disco, sekundärer Philosemitismus und Modetips lassen sich bei diesen Leuten zum Kommunismus dann aber in der Regel nicht in Erfahrung bringen.

Vorwarnzeit

An anderer Stelle diskutieren Ich-PR-Agenturen über die Vorwarnzeit bei Bomben- und Raketenangriffen um damit den Zivilisationsgrad bzw. die Nettigkeit des jeweils präferierten Nationalstaates zu unterstreichen.

Übrigens: Krisenzähler aktualisiert.

Schweigen ist Gold!

Das Managermagazin bietet einen äusserst amüsanten Krisenticker


Klaus Zimmermann; «Jetzt haltet doch mal die Klappe!»

Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) hat seine erst wenige Wochen alte Konjunkturprognose drastisch gesenkt. Die Wirtschaft werde im kommenden Jahr «um mindestens 1 Prozent schrumpfen», hieß es in dem am Dienstag veröffentlichten Monatsbericht.

Der Fall der Indizes ist nach Einschätzung der Commerzbank Beleg für eine historische Krise. „Die Euro-Wirtschaft ist in der schwersten Krise der Nachkriegsgeschichte“, schreiben die Experten in einem Kommentar vom Dienstag.

Die Wirtschaftsweise Beatrice Weder di Mauro rechnet mit einer lang anhaltenden Rezession in Deutschland. «Wir müssen uns darauf einstellen, auch 2010 noch keine Rückkehr zu schönen Wachstumsraten der Vorjahre zu haben», sagte sie am Dienstag im Deutschlandfunk. Zudem rechne sie damit, dass es für das laufende und das nächste Quartal noch «negative Überraschungen» hinsichtlich des Wirtschaftswachstums geben werde.

Das will man doch nicht hören. Sowas schadet doch der Wirtschaft. Sowas verunsichert doch die Konsumenten. Sowas verhindert doch Investitionen. Schliesst der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung und fordert folgerichtig einen Prognose-Stop.

Angesichts der immer schlechter werdenden Vorhersagen für die Wirtschaftsentwicklung in Deutschland hat Klaus Zimmermann, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), beim Krisengipfel im Kanzleramt für einen vorübergehenden Prognose-Stopp plädiert. »Wir haben im Kanzleramt darüber gesprochen, dass Ökonomen alle verwirren, wenn sie ständig neue Zahlen in die Welt setzen», sagte Zimmermann der Financial Times Deutschland. «Ich habe gesagt, man könnte sich vorstellen, eine Zeit lang keine Prognosen vorzulegen. Das ist eine Frage der intellektuellen Redlichkeit. In den meisten Modellen, die wir für unsere Vorhersagen nutzen, kommen keine Finanzkrisen vor. Und wenn sie vorkommen, dann ist diese Krise so spezifisch, dass wir sie nicht erfassen können. Wir können sagen, da passiert was Schlimmes, aber wie schlimm es wird, können wir nicht sagen.»

Kurzzusammenfassung


Kein Weihnachtsgeschenk dieses Jahr?

1. Dezember 2008; Bloss das Wichtigste:
Der Dow-Jones-Index in New York rasselt in die Tiefe und schliesst beinahe acht Prozent im Minus. Dasselbe mit dem Dax. Den Unternehmen in Asien und Europa brechen Umfragen zufolge im Rekordtempo die Aufträge weg. Die Industrieproduktion fiel im November laut dem Institute for Supply Management auf ihren tiefsten Stand seit 26 Jahren. Das Nationale Büro für Wirtschaftsforschung in den USA (NBER) gibt offiziell bekannt, dass sich die amerikanische Volkswirtschaft seit Dezember 2007 in der Rezession befindet. Der Auftragseingang im deutschen Maschinenbau ist im Oktober um 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr eingebrochen. Auslandsaufträge brachen sogar um 19 Prozent ein.

Peer Steinbrück tritt der JUSO bei!


Der deutsche Bundesfinanzminister verkündete kürzlich offiziell die Forderungen, welche die JUSO bereits vor einigen Wochen beschlossen hatte. Es geht voran, Genossen!

Die Welt als Wahn (3)

Beat Kappeler war mal Sekretär des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes und mit der politischen Verwaltung des variablen Kapitals betraut. Nun ist er schon seit einigen Jahren freier Wirtschaftsjournalist und mit der ökonomischen Verklärung der Welt beschäftigt. Gerettet hat er sich selbstverständlich den Blick auf die Proleten als Zahlen einer Statistik und als Probleme, die zu lösen sind. Darum schreibt er in der NZZ am Sonntag einen Artikel unter dem Titel «Je schlimmer die Krise, desto grösser wird die Hoffnung». Klar, Herr Kappeler: Je dreister eine Lüge, desto grösser ist ihre Wirkung.


Beat Kappeler; Je falscher das Geschriebene, desto besser das Gefühl

Als Beispiel hoffnungsvoller Wendungen nennt er zwei Annahmen aus der «kleinen Alltagswelt»:

«Wenn lange wenig gebaut wird, dann regt sich irgendwann das Interesse für bestehende Häuser, ihre Preise steigen wieder an, die Hypotheken darauf werden sicherer, die Banken verlieren weniger. Hunderttausende haben ihr Haus abgegeben und Geld verloren, hundertausende junger Paare kaufen mit wenig Geld ihr erstes Heim oder mieten sich günstig ein.»

Da haben also die Leute ihre Häuser abgegeben, wie man einen lästigen Mantel an der Garderobe der Oper abgibt und machen sich’s drinnen bequem. Blöderweise zieht’s im Saal und es ist auch kein Ende der Aufführung abzusehen. Das ist Kappeler aber egal, denn schliesslich soll man hoffnungsvoll sein. Die nun Obdachlosen überlassen ihre Immobilien jungen Paaren, also dem Fundament eines gesunden Volkes. Hurra! Den hundertausend obdachlosen Proleten wird das aller Voraussicht nach egal sein. Im Winter ist es draussen auch kalt, wenn drinnen Kappelers und junge Paare am Kamin sitzen. Und wenn übrigens die Imobilienpreise wieder steigen, dann mieten oder kaufen die Paare die Häuser eben nicht günstig. Zudem müssen sie das Geld für den Kauf ja auch erstmal haben, da die Banken momentan mit Krediten eher «zurückhaltend» sind. Dummerweise kommt da aber erstmal noch die Kreditkarten-Überschuldung auf uns zu. Ein Grund zur Hoffnung!

Dass die Banken weniger verlieren ist Kappeler natürlich das erste Anliegen. Dies liegt aber – ganz entgegen seiner liberal-bornierten Auffassung – in erster Linie an den staatlichen Rettungspaketen, die eben jene Finanzinstitute vorerst vor dem Untergang gerettet haben.

«Nehmen wir die andere schlechte Meldung, dass so viele amerikanische Arbeitslose wie im fernen 1991 auf der Strasse stehen. Schlimm für die Arbeiter, gut für die Firmen, die jetzt mit weniger Kosten pro Stück fahren, also die Produktivität steigern, die Preise mässigen und so die Nachfrage anlocken. Eines Tages werden sie die billigen Importe eindämmen und wieder Leute anstellen.»

Die Parteilichkeit für das Kapital und gegen die Arbeiter wärde damit offen ausgesprochen. Danke.
Was Kappeler hier verbricht, ist eigentlich bloss noch in Kategorien der Psychpathologie zu erklären. Es soll also Hoffnung machen, dass nach einer Zeit der zu erwarteten Rezession und Massenarbeitslosigkeit der Status Quo wieder hergestellt werden soll. Freut sich Herr Kappeler auch auf jede Grippe, weil er nach einigen Tagen möglicherweise wieder gesund werden wird? Wäre die Lüge wahr, die Kappeler hier – wahrscheinlich wie Adornos bekannter Deutscher – erzählt, sie wäre dennoch idiotisch. Bekannt ist aber, dass bei Anwachsen der industriellen Reservearmee der Preis der Arbeitskraft sinkt. Was Kappeler da also als grosse Chance verkauft, bedeutet für den Arbeiter im Falle einer Wiedereinstellung einen tieferen Lohn. Zudem vergisst der liberal-bornierte Blick, was die im Auftrieb sich befindlichen Keynesianer immer grossartig vortragen: Wenn da massenhaft Leute arbeitslos werden und entsprechend weniger Kohle im Geldbeutel haben, dann wird auch der Konsum zurückgehen und entsprechend der Absatz schrumpfen.

Dass die «billigen Importe» nicht das Problem sind, sondern gerade zum Lebensstandart notwendig sind, so dass die USA im Jahre Konsumgüter im Wert von etwa 500 Milliarden Dollar aus China importieren, das weiss Kappeler als «freier Wirtschaftsjournalist» selber. Weil er als solcher aber auch «weiss», dass der Markt das schon alles irgendwie regeln wird, will er es einfach gar nicht hören. Und darum will er auch einfachste Kausalzusammenhänge nicht oder nur falsch herum wahrnehmen: Arbeitslose gibt es im Kapitalismus häufig, weil die Produktivität steigt. Weil also neue Maschinen und Arbeitstechniken eingeführt werden, wird es nicht für alle Beteiligten angenehmener, sondern ein Teil der Angestellten wird aufs Pflaster geschmissen (wenn denn nicht der entsprechende Marktanteil vergrössert wird). Nun kehrt Kappeler diesen Zusammenhang einfach um und behauptet, dass die massenhafte Freisetzung von Arbeitskräften zu einer Produktivitätssteigerung führt. Das ist etwa so borniert, wie zu behaupten, die liberalen Wirtschaftsjournalisten würden einen solchen Unsinn zusammenschreiben, weil sie dumm seien. Umgekehrt verhält es sich mit den Kappelers dieser Welt: Sie sind und schreiben darum so dumm, weil sie den Standpunkt des Liberalen noch gegen jeden empirischen Beweis behaupten.

Ein Papiertiger aus Dollarnoten

«Falls an unseren Absichten und Fähigkeiten irgendwelche Zweifel bestehen, sind Russland und Argentinien hervorragende Beispiele an der wirtschaftlichen Front, so wie Irak durch den Boykott und Serbien und Afghanistan an der militärischen Front. Letzteres – aber eigentlich beides – war gemeint, als Präsident Bush der Vater 1991 bei der Bombardierung des Irak Die neue Weltordnung ausrief.
Der Dollar ist buchstäblich ein Papiertiger. Er ist nämlich auf Papier gedruckt, dessen Wert einzig darauf beruht, dass er auf der ganzen Welt akzeptiert wird und man auf der ganzen Welt darauf vertraut, dass er akzeptiert wird. Dieses Vertrauen kann schwinden oder dem Dollar von einem Tag auf den anderen völlig entzogen werden, wodurch er die Hälfte oder mehr seines Wertes verlieren könnte. Jeder Wertverlust des Dollars hätte nicht nur einschneidende Folgen für Konsum und Investitionen in den USA und für Dollarvermögen, sondern er würde auch die Fähigkeit der USA beeinträchtigen, ihren militärischen Apparat aufrechtzuerhalten und einzusetzen. Umgekehrt würde auch jedes militärische Desaster das Vertrauen in den Dollar und damit seinen Wert schwächen.» (Wildcat März 2003)

«Obwohl die Vereinigten Staaten wahrscheinlich der mächtigste einzelne Akteur bleiben, wird ihre relative Stärke – sogar auf militärischem Gebiet – sinken und ihr Einfluss schwächer werden. (…) Das internationale System, wie es nach dem zweiten Weltkrieg entstand, wird 2025 fast nicht mehr wiederzuerkennen sein. (…) Schuld daran ist das Wachstum der Schwellenländer, eine globalisierte Wirtschaft, der Transfer von Reichtum von West nach Ost und der wachsende Einfluss von nichtstaatlichen Akteuren.» (…) Der US-Dollar wird laut Geheimdienst seine Rolle als stärkste globale Währung verlieren – und nur noch «der Erste unter Gleichen» sein. «Wir können auch ein Szenario des Wettrüstens, der territorialen Expansion und militärischer Rivalitäten wie im 19. Jahrhundert nicht ausschließen.» (US-Geheimdienst November 2008)

Die Welt als Wahn (2)

Kathrin Fichtel schreibt im Spiegel Online einen Artikel über die erwarteten Massenentlassungen in der Automobilindustrie. Der Lead des Textes endet mit dem Satz: «Doch in der Krise steckt auch eine Chance.» Ähnlichen Müll hat man den Leuten ja auch schon angedreht und so hofft die Schreiberin, dass niemand ihren Artikel durchliest. Denn das einzige, was sich in ihrem Artikel als Chance interpretieren lässt, ist die Aussage eines Herrn Hinsen vom Bundesverband für Zeitarbeit: «Ein Unternehmer auf Expansionskurs würde doch in unsicheren Zeiten eher flexible Zeitarbeiter einstellen.» Expansionskurs vorausgesetzt, ist es also eine Chance, wenn man die Leute bloss noch auf Zeit einstellt und damit die ohnehin prekäre Situation der Lohnabhängigkeit potenziert. Scheisse als Chance. Chance als Scheisse.


Kathrin Fichtel; «Ich mach’ mir die Welt Widdewidde wie sie mir gefällt»



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